Nur zwei Tage vor der Stiftungsratssitzung hat sich die FPÖ einmal mehr auf den ORF eingeschossen. "Das Sittenbild, das der Öffentlich-Rechtliche derzeit abgibt, hat uns international bis auf die Knochen blamiert. Wir sind schon zur Lachnummer verkommen. Es reicht", donnerte Generalsekretär Christian Hafenecker am Dienstag.
Direkt neben ihm am Tisch: ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler. Der kündigte eine "dramatische Sitzung" an: "Wir werden sehr, sehr forsch vorgehen". Er fordert von Ingrid Thurnher mit Blick auf die Skandale der vergangenen Wochen am Küniglberg bei dieser Sitzung.
Die SPÖ reagierte ihrerseits mit scharfen Worten auf den freiheitlichen Medientermin: "Dass der FPÖ-Generalsekretär und sein Stiftungsrat in einer gemeinsamen Pressekonferenz im Gleichschritt gegen den ORF marschieren, ist hoch problematisch", betont Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim.
Er fragt: "Stellt sich die FPÖ so die politische Unabhängigkeit des ORF vor, die sie immer vorgibt anzustreben? Oder hätte die FPÖ den ORF doch ganz gern am blauen Gängelband?"
Seltenheim fordert seinerseits vollständige Aufklärung der Causa Weißmann. "Machtmissbrauch und die strukturelle Benachteiligung von Frauen dürfen nicht mehr vorkommen", hält er fest. Die Vorwürfe müssten ernstgenommen werden: "Dass Hafenecker und Westenthaler die Erlebnisse der betroffenen ORF-Mitarbeiterin kleinreden, gar ins Lächerliche ziehen und an den Haaren herbeigezogene angebliche Motive für ihren Aufschrei in den Raum stellen, ist unerträglich."
Der Sozialdemokrat verspricht, dass noch heuer der Prozess einer großen ORF-Reform starten soll. Aus dieser soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk gestärkt hervorgehen. SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler stehe für starken, unabhängigen Journalismus – "und damit für das klare Gegenbild zur Medienpolitik der FPÖ, die die Pressefreiheit mit Füßen tritt."