Kaum ein Thema sorgt derzeit in der Wiener Kulturszene für so viel Nervosität wie der geplante "Kultureuro". Dabei soll auf Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen eine neue Landesabgabe in der Höhe von 12,5 Prozent eingehoben werden.
Beim Hintergrundgespräch machten der Wiener ÖVP-Chef Markus Figl und Kultursprecherin Judith Edelmann ihrem Ärger über die Pläne der rot-pinken Stadtregierung Luft. "Es gibt mittlerweile fast monatlich neue Gebühren und neue Belastungen, die auf die Wiener zukommen. Kaum noch ein Bereich bleibt verschont", kritisiert Figl.
Er spricht von "Teuerungsfantasien" von SPÖ und Neos: "Diese Entwicklung hat System. Es sollen damit zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Die Finanzsituation entgleitet immer weiter, und die Rechnung für dieses Finanzchaos schicken SPÖ und Neos dann den Wienern."
Schätzungen zufolge sollen rund 120 Millionen Euro hereinkommen. "Der Kultureuro ist eine Kultursteuer. Es ist klar, dass man hier zusätzliche Einnahmequellen erschließen möchte. Die Bürokratie, die auf alle Kultur-Institutionen zukommt, bedeutet eine große Belastung und Mehrkosten. SPÖ und Neos verkaufen damit ein Stück weit die kulturelle Seele Wiens. Das geht nicht nur auf Kosten der Wiener, sondern auch auf die Substanz dieser Stadt."
Auch Edelmann hält wenig vom Begriff "Kultureuro": "Der Kultureuro ist eine Verharmlosung – das ist eine beinharte Kultursteuer. Es ist meiner Meinung nach der völlig falsche Weg. Damit wird der Zugang zu Kunst und Kultur erschwert. Das ist einfach ein zusätzliches Abkassieren, eine simple Gebührenerhöhung." Auch zahlreiche renommierte Kultur-Institutionen sehen das so und protestieren gegen die Abgabe.
Die Stadt Wien weist die Kritik zurück. "Vorderstes Ziel ist es, die vielfältige Wiener Kulturlandschaft nachhaltig zu erhalten und abzusichern", erklärte ein Sprecher von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) gegenüber "Heute".
Die Pläne sind bereits relativ konkret: Die geplante Kulturabgabe soll im Oktober in Begutachtung gehen und anschließend "im November oder Dezember" beschlossen werden. Die Einnahmen aus dem Kultur-Euro sollen laut Stadt dem Kulturbereich zugutekommen.
Bei der Höhe orientiert sich die Stadt am sogenannten Sportgroschen. Dabei werden ebenfalls 12,5 Prozent aufgeschlagen. Ob der Kultur-Euro tatsächlich als eigene Ticketabgabe kommt, ist allerdings noch nicht endgültig entschieden. Als Alternative wird laut Stadt auch eine Erhöhung der Ortstaxe geprüft.
ÖVP-Kultursprecherin Edelmann hat sich in der vergangenen Woche bei zahlreichen Kulturbetrieben umgehört. Die Stimmung sei alarmierend: "Alle haben Panik , es geht die Angst um bei den Institutionen. Denn diese Kultursteuer hat natürlich Auswirkungen auf das Besucherverhalten."
Die ÖVP befürchtet, dass höhere Ticketpreise vor allem kleineren Veranstaltern schaden könnten. Die drastische Prognose: Kleine Einrichtungen könnten zusperren, während der Besuch großer Kulturinstitutionen zunehmend zum Luxus werde.
Nun erhöht die ÖVP mit einem offenen Brief den Druck auf Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). "Darin fordern wir ihn persönlich auf, vom Kultureuro Abstand zu nehmen. Wien hat einen Ruf zu verlieren", erklärt Figl.
Hinter der Debatte steht die angespannte Finanzlage der Stadt. Ende 2025 betrug der Schuldenstand Wiens 14,37 Milliarden Euro. Für 2026 rechnet die Stadt mit einem Budgetdefizit von rund 2,65 Milliarden Euro. Figl sieht genau darin den Hintergrund für die geplante Kulturabgabe: "Die Rechnung sollen nun andere zahlen, es wird einfach abgewälzt."