Sorge um Superstars

"Raubrittertum" – Kultur-Euro verhindert Taylor Swift

Die neue Abgabe sorgt im Kulturbereich für Aufregung, soll aber noch heuer beschlossen werden. Tickets könnten um 12,5 Prozent teurer werden.
Thomas Peterthalner
15.09.2026, 08:21
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Die Aufregung in der Kulturszene über den geplanten "Kultur-Euro" wird nun immer größer. So übt etwa die renommierte Albertina in Wien scharfe Kritik an dem Plan, wir berichteten. Denn das zusätzliche Geld komme den Bundesmuseen selbst nicht zugute. Stattdessen würde der Besuch von Museen und Events für das Publikum teurer. Noch schärfer geht Nova-Rock-Chef Ewald Tatar mit den Plänen der Stadt Wien ins Gericht.

"Raubrittertum"

"Der Wiener 'Kulturteuro' ist nichts anderes als modernes kommunales Raubrittertum, mit dem man bereit ist, über Leichen zu gehen", so Tatar. "Künstlerinnen und Künstler sind die Leidtragenden. Der ganze Kulturstandort Österreich ist betroffen. Veranstaltungen werden nicht nur in die Bundesländer abwandern, sondern gar nicht erst hierzulande stattfinden."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Weniger Konzerte befürchtet

"Internationale Tourneen machen nicht an Landesgrenzen halt – Städte und Märkte stehen in einem direkten Wettbewerb. Österreich ist gegenüber Deutschland allein durch die höhere Umsatzsteuer auf Tickets bereits um sechs Prozent im Nachteil", so Veranstalter Matthias Rotermund von Live Nation. "Kommen in Wien weitere 12,5 Prozent auf den Ticketpreis hinzu, wird daraus ein massiver Wettbewerbsnachteil."

2,5 Millionen Euro für Coldplay

So hätten Coldplay 2024 vier ausverkaufte Konzerte im Ernst-Happel-Stadion gespielt und dabei pro Show rund fünf Millionen Euro Ticketumsatz erzielt. "Eine Abgabe von 12,5 Prozent hätte für diese vier Konzerte rund 2,5 Millionen Euro zusätzliche Kosten bedeutet.

Veranstalter Ewald Tatar von Barracuda Music: "Modernes Raubrittertum"
Helmut Graf

Keine Swift-Show in Wien

Diese Millionen können weder Besucher noch Veranstalter oder Künstler einfach absorbieren", so der Live-Nation-Chef. Superstars wie Coldplay und Taylor Swift würden nicht mehr nach Wien kommen. Auch Hotels und Gastronomie würden das spüren.

"Kulturlandschaft absichern"

"Vorderstes Ziel ist es, die vielfältige Wiener Kulturlandschaft nachhaltig zu erhalten und abzusichern", so Kulturstadträtin Kaup-Hasler zu "Heute". Die geplante Kulturabgabe soll im Oktober in Begutachtung gehen und dann "im November oder Dezember" beschlossen werden. Die Einnahmen aus dem "Kultur-Euro" kommen dem Kulturbereich zugute.

Die Ticketabgabe orientiert sich laut Stadt Wien am "Sportgroschen", bei dem ebenfalls 12,5 Prozent aufgeschlagen werden. Hintergrund ist die im Zuge der Umstellung auf die bundesweite ORF-Haushaltsabgabe 2024 vollständig abgeschaffte GIS-Landesabgabe.

GIS-Gebühr fehlt

Dadurch fehlen der Stadt Wien im Kulturbereich 35 bis 40 Millionen Euro. Das Finanzloch soll mit dem geplanten "Kultur-Euro" geschlossen werden. Statt einer neuen Abgabe könnte der Kultur-Euro aber auch über eine Erhöhung der Ortstaxe eingeführt werden.

pet,15.09.2026, 08:21