Warnung zu Ferienbeginn

Zwangsheirat: Für viele Mädchen werden Ferien Albtraum

Rund 1,2 Millionen Schüler haben jetzt Sommerferien. Für manche Mädchen könnte die Reise ins Herkunftsland jedoch zur Zwangsheirat führen.
Österreich Heute
13.07.2026, 14:26
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Jetzt sind in Österreich alle rund 1,2 Millionen Schüler in den Sommerferien. Für manche Mädchen werden diese Wochen zum Horrortrip. Behörden und Experten warnen jedes Jahr davor, dass Jugendliche während der Ferien gegen ihren Willen im Ausland verheiratet werden könnten.

Die Bildungsdirektion Wien hat wenige Tage vor Ferienbeginn erneut alle Schulen zur besonderen Wachsamkeit aufgerufen. In einem Schreiben an die Direktoren werden Lehrer gebeten, in den letzten Schultagen aufmerksam zu sein und das Gespräch mit potenziell betroffenen Schülerinnen zu suchen.

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Spezialisierte Beratungsstellen

Die Information sollte auch an Lehrkräfte sowie das psychosoziale Unterstützungspersonal weitergegeben werden. Die Zeit vor den Ferien sei eine wichtige Gelegenheit, "mit potenziell betroffenen Schülerinnen ins Gespräch zu kommen, über Unterstützungsangebote zu informieren und bei Bedarf an spezialisierte Beratungsstellen zu vermitteln."

Als mögliche Warnsignale nennt die Bildungsdirektion eine starke familiäre Kontrolle, Angst vor Familienangehörigen, kurzfristige Reisepläne, sozialen Rückzug oder Hinweise auf eine bevorstehende Verlobung oder Eheschließung.

Die Bildungsdirektion bestätigte gegenüber "Heute", dass es sich um eine jährliche Aussendung im Auftrag der Kinder- und Jugendanwaltschaft handelt. "Im Rahmen eines präventiven Ansatzes sollen Pädagogen dadurch sensibilisiert werden."

Auch Familienministerin Claudia Bauer warnte zuletzt vor dem Ferienbeginn als besonders kritischer Zeit. Im "Ö1-Mittagsjournal" erklärte sie, dass Mädchen gerade in den Sommerferien ins Ausland gebracht und dort zwangsverheiratet werden könnten.

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Die Bundesregierung hat eine Informationsbroschüre erstellt. Darin wird betroffenen Mädchen erklärt, dass niemand sie zur Ehe zwingen und niemand ihren Körper verletzen oder beschneiden darf. Außerdem werden Warnzeichen für eine mögliche Zwangsehe angeführt, etwa die Kontrolle des Handys oder unklare Angaben zu einer geplanten Reise ins Ausland.

Betroffene sollen sich laut der Ministerin an Vertrauenspersonen wenden und nach Möglichkeit dort unterkommen. Außerdem empfiehlt sie, wichtige Dokumente an einem sicheren Ort aufzubewahren und Telefonnummern von Beratungsstellen und Behörden abzuspeichern. Hilfe bieten unter anderem das Frauenzentrum des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), die Frauenhelpline gegen Gewalt, Rat auf Draht sowie Gewaltschutzzentren.

Wie groß das Problem ist, zeigen aktuelle Zahlen. Laut einem Forschungsbericht des Österreichischen Integrationsfonds aus dem Jahr 2023 werden in Österreich jährlich rund 200 Fälle von Zwangsheirat registriert.

In Österreich ist die Zwangsehe strafbar – auch dann, wenn sie im Ausland geschlossen wurde. Es drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Nicht unumstritten ist allerdings die Rolle der Schulen. Ein Wiener Lehrer kritisierte den Appell der Bildungsdirektion deutlich: "Was sollen wir Lehrer denn noch alles machen? Diese Aufforderung entbehrt jeglicher Sachlichkeit und ist einfach nur lächerlich."

{title && {title} } red, {title && {title} } 13.07.2026, 14:26
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