"Undemokratische" Rapid will nur eine Wahl-Liste

Bei der Hauptversammlung am 25. November wird der neue Rapid-Präsident gekürt. Wird es Martin Bruckner, Robert Grüneis oder doch Roland Schmid? Hinter den grün-weißen Kulissen herrscht noch immer Uneinigkeit.
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Rapid möchte offenbar mit aller Macht eine "Kampfabstimmung" vermeiden. In sozialen Medien wird dieses Vorgehen von den Fans des Mitgliedervereins kritisiert. Dennoch versucht der Klub, nur eine Liste an den Start zu bringen.

In einer aktuellen Aussendung informiert Rapid über das weitere Vorgehen des Wahlkomitees: "Nach aktuellem Stand ist noch keinerlei Entscheidung über die Zulassung einer oder mehrerer Listen gefallen. Es wird weiter angestrebt, die Stärken der bewerbenden Listen im Sinne des SK Rapid zu vereinen, also wie in den Satzungen vorgesehen, eine Liste zur Wahl zuzulassen. Erst wenn sich herausstellen sollte, dass diese angestrebte Vereinigung nicht zustande kommt, muss ein mehrheitlicher Beschluss gefasst werden, dass mehrere Listen zugelassen werden sollen und kann erst dann in weiterer Folge über die Zulassung der einzelnen Listen abgestimmt werden."

Es bleibt also spannend, bis drei Tage vor der Hauptversammlung am 25. November muss eine Entscheidung gefallen sein.



Die Macht der Fans, und wie sie sich äußert

Ex-Spieler Maximilian Wöber wurde für seinen Wechsel zu Red Bull Salzburg zutiefst beleidigt. Auch seine Familie. Im Heimspiel gegen Hartberg entschuldigten sich Fans mittels Transparent: "So ist Rapid nicht." Zwei ranghohe Ultras stürmten die VIP-Loge und entfernten das Plakat.

Rapid reagierte mit Zurückhaltung. Die Entschuldigungen von Präsident Michael Krammer und Sportdirektor Zoran Barisic erfolgten telefonisch und persönlich. Erst zwei Wochen später gestand der Klub auf "Heute"-Nachfrage sinngemäß Fehler ein. Ein Ordner sei nicht auf seinem Platz gewesen. In Zukunft werde diese Position verstärkt. Konsequenzen für die Ultras: "Thematik wurde innerhalb der Rapid-Familie behandelt." Klingt nach einem milden Ausgang für die beiden.

Der Block West ist grundsätzlich klar gegen Hausverbote - bei anderen Klubs sicher eine denkbare Konsequenz nach einem solchen Vorfall. Diese Maßnahme käme bei den Fans also gar nicht gut an. Wie im Lauftext erläutert, brauchen die Präsidentschaftskandidaten aber die Gunst der Anhänger, um überhaupt für die Wahl im November zugelassen zu werden. Die aktuelle Klubführung hat mit Markus Bruckner einen Kandidaten im Rennen.

Dass die VIP-Loge im betreffenden Fall unter anderem Michael Tojner gehört, sorgt für zusätzliche Brisanz. Der Milliardär unterstützt Kandidaten Robert Grüneis, stellt Millionen für den Bau des Trainingszentrum in Aussicht, sollte dessen Liste gewinnen.
Die Wahl

Am 25. November wird der neue Präsident bei der Hauptversammlung der Rapid-Mitglieder gewählt. Wie brisant dieser Termin wird, hängt von den Entscheidungen des Wahlkomitees im Vorfeld ab. Das Komitee legt fest, welche der drei Listen zur Wahl zugelassen werden.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Warum ist Krammer gegen Kampfabstimmung?

Krammer geht es nach außen um die Geschlossenheit der Rapid-Familie. Zur Erklärung könnte man einen Vergleich zu Parteitagen in der Politik ziehen, auf denen der Parteichef bestätigt oder neu bestimmt wird: Ein hoher prozentueller Stimmenanteil macht in der Außendarstellung einen schlanken Fuß und symbolisiert Einigkeit. Ein möglicher, knapper Sieg bei einer Kampfabstimmung würde einer Liste hingegen einen ungemütlichen Start in die Amtszeit bescheren.

Das Komitee

Es handelt sich um ein Gremium, das aus sechs Personen besteht. Jede der drei Listen braucht vier der sechs Stimmen, um für die Wahl zugelassen zu werden – eine Zweidrittelmehrheit.

Unter den sechs Personen sind drei Mitgliedervertreter, von den Rapid-Mitgliedern für diese Funktion gewählt: Jürgen Hampel, Herbert Kretz und Helmut Mitter. Fast 600 Vereinsmitglieder gaben ihre Stimme ab.

Das aktuelle Präsidium wird von Michael Krammer im Gremium vertreten. Das Kuratorium entsendet Susanne Schicker (Leiterin der Koordinationsstelle von "WienBeethoven2020") und Werner Muhm (ehemals langjähriger Direktor der Arbeiterkammer Wien).

Die Macht der Fans?

Mitter ist Sprachrohr der Solidargemeinschaft "Rechtshilfe Rapid" und im Gremium der Vertreter des Block West. Hampel ist Gründungsmitglied und Obmann des Fanclubs "Sitzplatzschweine", der Rapid bei Heim- und Auswärtsspielen und den Aktionen von "Wiener helfen Wienern" unterstützt. Kretz von "Initiative Rapid 2020".

Zusammen können die drei Personen verhindern, dass eine Liste die nötige Mehrheit für die Wahl im November erreicht. Ohne die Fan-Vertreter geht also nichts.

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