Was mit einem einzelnen Knochenfund auf einem Baugrundstück in Ranshofen (Bez. Braunau) begann, entwickelte sich zu einer archäologischen Sensation. Insgesamt wurden in Ranshofen die Überreste von 120 jungen Männern entdeckt. Jetzt liefern die Untersuchungen neue Hinweise auf ihr Schicksal.
Die Grabungen sind mittlerweile beendet, die Skelette liegen nun auf Labortischen in Wien. "Wir sind mitten in der Auswertung der Skelette, untersuchen zwei bis drei am Tag", erklärt Archäologin und Anthropologin Michaela Binder gegenüber den "OÖN". Genauere Ergebnisse erwartet sie bis Weihnachten.
Schon jetzt zeichnet sich ein klares Bild ab: Bei den Toten dürfte es sich überwiegend um junge Männer zwischen 15 und 25 Jahren handeln. Doch ein Detail sticht besonders hervor: Bei einem Toten wurde das Bein unterhalb des Knies sauber abgetrennt.
"Dabei handelt es sich um kein unabsichtlich abgeschlagenes Bein", betont Binder. Die Amputation sei gezielt mit einem scharfen Gegenstand vorgenommen worden. Mehrere Männer litten offenbar an chronischen Erkrankungen, zudem zeigen Knochen Anzeichen von Vitamin-C-Mangel.
Das kam früher besonders häufig bei Soldaten vor. Zusammen mit der Amputation erhärtet sich damit ein Verdacht: "Das sind schon Hinweise auf ein Lazarett", sagt Binder. Die Skelette stammen laut Datierung aus der Zeit zwischen 1723 und 1813 – damit könnten sie mit den Napoleonischen Kriegen zusammenhängen.
Zwischen den Knochen wurden außerdem zwei Bronzenadeln und ein Ring entdeckt. Eine DNA-Analyse könnte nun klären, ob die Männer aus Frankreich oder aus der Region stammten. Ob dieses letzte Geheimnis gelüftet wird, hängt allerdings auch vom verfügbaren Geld ab.