Die mittlerweile tödliche Legionellen-Welle hält Linz weiter in Atem: 28 Erkrankte sind bisher bekannt, drei starben im Zusammenhang mit der Infektion. Vier Betroffene liegen noch im Krankenhaus, keiner von ihnen muss intensivmedizinisch betreut werden.
Der erste Fall eines Erkrankten landete bereits am 20. Juli auf dem Tisch der Behörde. "Das ist per se noch nicht ungewöhnlich", erklärt Gesundheitsdirektor Ulrich Püschel gegenüber "Heute". Einzelne Infektionen gebe es immer wieder, etwa durch belastete Anlagen in Privathaushalten. Trotzdem gehe man natürlich jeden Fall nach.
Doch es blieb nicht bei einem: "In den Tagen darauf ist uns aufgefallen, dass mehr Fälle hereinkommen", so Püschel. Die Stadt richtete eine Arbeitsgruppe ein, die Suche nach der Quelle lief an. Dabei geriet zunächst eine Kühlanlage der Linz AG an der Wiener Straße ins Visier.
Mittlerweile wurden auch in einer weiteren Kühlanlage Legionellen nachgewiesen. "Ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht, wissen wir noch nicht", betont Püschel. Die Untersuchungen seien nämlich sehr aufwendig. Der Grund: Die Legionellen müssen im Labor erst auf speziellen Nährböden angezüchtet werden. Weil die Bakterien nur langsam wachsen, kann allein dieser Schritt mehrere Tage dauern.
Legionellen kommen von Natur aus in geringer Konzentration im Wasser vor. Unter bestimmten Bedingungen können sich die Bakterien allerdings stark vermehren – etwa bei großer Hitze, in Warmwasseranlagen großer Gebäude oder in künstlichen wasserführenden Systemen.
Eine Infektion kann die sogenannte Legionärskrankheit auslösen. Dabei handelt es sich um eine schwere Form der Lungenentzündung, die mit Antibiotika behandelt werden muss.
Es gibt allerdings auch mildere Verläufe ohne Lungenentzündung. Das sogenannte Pontiac-Fieber klingt meist innerhalb von zwei bis fünf Tagen von selbst ab. Besonders gefährdet sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder chronischen Lungenerkrankungen sowie Raucherinnen und Raucher.
Bei der Linz-AG-Anlage rechnet der Gesundheitsdirektor bis Mitte der Woche mit neuen Ergebnissen. Bei der zweiten müsse man sich noch gedulden: "Dort sind die Proben erst kürzlich eingelangt." Insgesamt wurden über 150 Proben gezogen – unter anderem aus Kühlanlagen und Haushalten.
Dass noch weitere Anlagen belastet sind, könne man derzeit nicht ausschließen. Bei einem gefährlichen Befund werde rasch gehandelt: "Wenn ein krankmachender Legionellen-Typ nachgewiesen wird, beantragen wir sofort die Stilllegung der Anlage", sagt Püschel. Danach werde sie desinfiziert. "Ab 70 Grad sterben Legionellen sofort ab."
Trotz der ernsten Lage warnt Püschel vor übertriebener Sorge: "Man sollte nicht in Panik verfallen. Das Trinkwasser ist per se kein Problem." Denn nicht jeder, der Legionellen einatmet, wird auch krank. Und selbst bei einer Erkrankung: "Nur in ganz, ganz wenigen Fällen kommt es zur Legionärskrankheit", so Püschel.
Die Behörden würden die Lage dennoch "natürlich sehr ernst" nehmen, den Prozess im Labor könne man aber leider nicht beschleunigen. Aus dem Büro von SP-Bürgermeister Dietmar Prammer hieß es auf Anfrage, man sei in enger Abstimmung mit der Linz AG. Mit einem offiziellen Statement abseits der gemeinsamen Aussendungen mit Land OÖ und AGES wolle man warten, bis die Quelle des Ausbruchs tatsächlich gefunden ist.