Insolvenz in Amstetten

"13 Mio. Euro Verbindlichkeiten" – Immo-Firma pleite

Über die "Entwicklung Hauptstraße 174 Immo GmbH" ist nur wenig bekannt. Ihr Geschäftsführer hingegen tauchte bereits in WKStA-Ermittlungen auf.
Aram Ghadimi
01.03.2026, 05:00
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Wenn man im Firmenbuch nach Christian V. sucht, stellt man schnell fest, dass V. bei zumindest 20 Immobilienfirmen als alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer angegeben wird. Eine dieser Firmen, die "Entwicklung Hauptstraße 174 Immo GmbH" mit Sitz im niederösterreichischen Amstetten, ist jetzt mit 13 Millionen Euro an Verbindlichkeiten in die Pleite gerutscht.

Laut der Plattform leadersnet.at hat das Firmen-Netzwerk von Christian V. alleine 2023 Hunderte Wohnungen und Zehntausende Quadratmeter Wohnfläche geschaffen. Das jedenfalls verkündete man anlässlich der damaligen Sommerfeier im "Heuer" am Karlsplatz in Wien.

Pleite führt zu Netzwerk

Die aktuelle Millionenpleite ist nicht die erste Insolvenz, im Zuge derer der Name von Christian V. auftaucht. Im November 2024 war die Tageszeitung DerStandard  Immobilienunternehmern auf der Spur, die laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) eine kriminelle Vereinigung gebildet und Banken auf betrügerische Weise Kredite entlockt haben sollen.

Das alles erinnert an René Benko und "Mini-Benko" Lukas N. – über beide hat "Heute" ausführlich berichtet. Tatsächlich tauchen die Namen von Christian V. und seinem Bruder gemeinsam mit dem von Lukas N. in den WKStA-Ermittlungen auf. Zuvor hatten bei Familie V. familienintern Geschäftsanteile den Eigentümer gewechselt.

Im Jänner hagelte es für Lukas N. 18 Monate bedingte Haft – nicht rechtskräftig. Die WKStA wirft den verschiedenen Beteiligten und ihren Treuhändern vor, durch Scheingeschäfte und In-sich-Geschäfte mit Immobilien-Transaktionen mehrere Banken um höhere Millionenbeträge gebracht zu haben.

Erzähle uns deine Story!

Wurde dir eine Beihilfe gestrichen? Kannst du dir das Leben kaum mehr leisten? Ist dir gerade etwas besonders Trauriges, Witziges oder Erstaunliches geschehen? Bewegt dich ein anderes Thema? Bist du der Meinung, dass deine Geschichte erzählt werden sollte? Dann melde dich bei uns unter [email protected]. Denn deine Story ist uns wichtig!Mail an uns

Konkurs statt Zinsen

Die Holding VMF Capital Invest GmbH von Chrsitian V. soll über Projektgesellschaften diverse Liegenschaften gekauft, Wohnhausanlagen gebaut und die Wohnungen später verkauft haben. Überdies sammelte man über Online-Plattformen Millionenbeträge von Privatanlegern ein.

Für Projekte – darunter später insolvente Bauvorhaben in Graz und Wien – wurden Zinsen von bis zu 11,5 Prozent versprochen. Daneben legte die VMF Capital Invest 2023 eine Anleihe mit 12 Prozent Jahreszins auf, die später wieder zurückgezogen wurde. 2024 waren bereits mehr als 20 Gesellschaften aus dem Firmengeflecht in die Pleite gerutscht.

Über die aktuelle Pleite im Netzwerk von Christian V. ist derzeit wenig bekannt. Wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mitteilte, wurde am 24. Februar 2026 über das Vermögen der Entwicklung Hauptstraße 174 Immo GmbH ein Konkursverfahren am Landesgericht St. Pölten eröffnet. Eine Fortführung des Unternehmens ist nicht vorgesehen.

Laut AKV soll die Gesellschaft liquidiert werden. Warum das gegenständige Unternehmen in die Insolvenz geschlittert ist, müsse erst im Zuge des Verfahrens geklärt werden, heißt es seitens der Kreditschützer. Vier Gläubiger sollen von der Insolvenz betroffen sein. Die besagten Verbindlichkeiten von rund 13 Millionen Euro basieren auf Eigenangaben des Unternehmens.

Zum Insolvenzverwalter wurde Sebastian Feigl, Rechtsanwalt in Amstetten, bestellt. Er muss nun die aktuellen Vermögensverhältnisse der Entwicklung Hauptstraße 174 Immo GmbH prüfen. Zudem müssen alle offenen Forderungen auf ihre Werthaltigkeit und Einbringlichkeit geprüft werden. Noch bis 14. April 2026 können Forderungen angemeldet werden. Die Prüfungstagsatzung findet am 28. April 2026 statt.

Eine Inventarisierung sowie die Schätzung durch einen noch zu bestellenden Gutachter sollen Aufschluss über den tatsächlichen Wert des vorhandenen Anlage- und Umlaufvermögens des Unternehmens geben. Im Zuge des Insolvenzverfahrens dürften auch weitere Details zur Rolle des Unternehmens im Immo-Netzwerk von Christian V. bekannt werden.

{title && {title} } agh, {title && {title} } 01.03.2026, 05:00
Jetzt E-Paper lesen