Die Kundmachung über die Eröffnung eines Konkursverfahrens gegen die LNR Real Estate GmbH durch den Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) liest sich zunächst wie eine gewöhnliche Insolvenzmeldung. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Schaltzentrale des Immo-Netzwerks von Mini-Benko Lukas N., dem die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) betrügerische Absichten vorwirft.
Ein Gläubigerantrag hat zur Eröffnung des Verfahrens am Dienstag geführt. Erst am vergangenen Donnerstag stand der 33-jährige N. selbst vor Gericht – allerdings nicht im niederösterreichischen Klosterneuburg, wo sich der Firmensitz der LNR Real Estate befindet, sondern in Wien, wo sich der Niederösterreicher vor dem Straflandesgericht wegen betrügerischer Krida verantworten musste – "Heute" hat dazu ausführlich berichtet.
Die Gläubiger fordern N. insgesamt 147 Millionen Euro. Er soll dem Masseverwalter im Verfahren rund um seinen Privatkonkurs zumindest zwei Konten bei den Online-Banken N26 und Revolut verheimlicht haben. Von dort soll er – so sagt es die Anklage –heimlich mehr als 145.000 Euro behoben haben. Während N. weiter einem luxuriösen Lebensstil frönte, habe er dadurch den Befriedigungstopf für die Gläubiger geschmälert. Dabei ist noch gar nicht klar wie hoch die Forderungen gegen die LNR Real Estate GmbH sind.
Das Firmenimperium des Jungunternehmers implodierte, zahlreiche Partner fielen um viel Geld um. Vor Gericht sagte der in der Bau-Branche bekannte Niederösterreicher vergangene Woche: "Vermögen habe ich keines, meine Schulden betragen seit dem Konkurs 80 Millionen Euro." Sein Vater, Stefan N. soll Insidern zufolge als "Strohmann" innerhalb des Immo-Netzwerkes fungiert haben. Zurück bleiben zahlreiche Baustellen.
Wie der ORF in der Vergangenheit berichtet hatte, klagten viele Mieter, deren Wohnungen sich in LNR-Objekten befanden, über die "unzumutbaren Umstände" dort. So auch in einem Gründerzeithaus in Wien Alsergrund, wo nach jahrelangen Arbeiten nur noch vier von ursprünglich zwölf Parteien verblieben waren. Die LNR soll nach dem Abtragen von Kaminen sogar ein Heizverbot ausgesprochen haben. Schließlich sah sich die Stadt Wien zum Eingreifen gezwungen und beantragte für mehrere Häuser Zwangsverwaltungen, um die Versorgung der Mieter und die Instandhaltung der Objekte sicherzustellen.
Laut dem AKV war Lukas N. als Geschäftsführer von 35 Unternehmen tätig. Die WKStA wirft dem ehemaligen Millionenjongleur betrügerische Absichten vor. Dem ehemaligen Novomatic-Forum (bis heute eine Baustelle) hatte N. einen neuen Anstrich verpasst: Das denkmalgeschützte Gebäude wurde entgegen der geltenden Schutzauflagen weiß gestrichen. Der skandalumwobene Gastronom Martin Ho eröffnete darin 2021 ein Lokal, das er aber 2023 wieder schloss, nachdem ein Streit zwischen ihm und N. ausgebrochen war.
Die Vorwürfe gegen N., der sich vor Gericht nicht schuldig bekannte, wiegen schwer. Ein zweiter Verhandlungstag steht dem 33-Jährigen, für den die Unschuldsvermutung gilt, noch bevor. Ihm droht eine Haftstrafe. Zeitgleich läuft seit 20. Jänner das Konkursverfahren gegen die LNR Real Estate GmbH. Im Rahmen des Verfahrens wird das vorhandene Vermögen des Unternehmens inventarisiert und geschätzt werden.
Die Berichtstagsatzung, Prüfungstagsatzung sowie die Gläubigerversammlung, finden allesamt am 25. März 2026 statt. Noch bis zum 11. März können Gläubiger ihre Forderungen einbringen. "Erst nach diesen Ermittlungen wird eine Stellungnahme zu den Befriedigungsaussichten der Gläubiger möglich sein", schreibt der AKV.