Österreich hat 2025 neuerlich ein historisches Insolvenzjahr erlebt. Mit 4.189 eröffneten Firmeninsolvenzen wurde der höchste jemals gemessene Wert erreicht. Damit übertraf das Jahr 2025 den bisherigen Rekord aus 2024 mit 4.159 Verfahren um 30 Insolvenzen, also um +0,72 Prozent. Laut AKV EUROPA handelt es sich um das dritte Rekordpleitenjahr in Folge.
Die Zahlen liegen damit laut den Gläubigerschützern deutlich über jenen der Finanzkrise. Im Jahr 2007 wurden etwas mehr als 3.000 Firmeninsolvenzen eröffnet, 2008 waren es rund 3.250, 2009 etwa 3.700 Verfahren.
Im Jahresverlauf 2025 wurden durchschnittlich 349 Unternehmensinsolvenzen pro Monat eröffnet, das entspricht 81 Insolvenzen pro Woche. Bereits bis September 2025 lag die Zahl der Firmenpleiten über den Gesamtjahreswerten der Jahre 2018 (2.981) und 2019 (3.045). Im Oktober 2025 wurde zudem bereits der Rekordwert des Jahres 2023 mit 3.369 eröffneten Firmeninsolvenzen überschritten.
Auffällig ist auch der massive Anstieg der abgewiesenen Verfahren. 2.967 Insolvenzanträge wurden 2025 mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffnet. Das sind 499 Abweisungen mehr als im Jahr 2024 (2.468) und entspricht einer Zunahme von 20,22 Prozent. Insgesamt summierten sich damit eröffnete Insolvenzen und Abweisungen auf 7.156 Firmeninsolvenzfälle, nach 6.627 im Vorjahr.
Besonders getrieben wurde die Insolvenzbilanz durch den Zusammenbruch großer Immobilienkonzerne. Die Branche "Grundstücks- und Wohnungswesen" verzeichnete 414 Insolvenzen, verursachte jedoch mit 3.981.044.000 Euro die höchsten Passiva aller Branchen. 9 der 10 größten Insolvenzen nach Passiva sind laut AKV der Immobilienentwicklung zuzurechnen sind, davon acht Unternehmen der Signa-Gruppe.
Die Gesamtpassiva aller eröffneten Firmeninsolvenzen beliefen sich 2025 auf 11,03 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2024 lagen die Gesamtverbindlichkeiten bei 22,32 Milliarden Euro, 2023 bei rund 16,74 Milliarden Euro.
Regional zeigte sich ein uneinheitliches Bild. Wien etwa verzeichnete 1.469 eröffnete Firmeninsolvenzen, nach 1.519 im Jahr zuvor, ein Rückgang von 3,29 Prozent. Oberösterreich hingegen meldete 532 Insolvenzeröffnungen, nach 462 im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg von 15,15 Prozent und der höchsten Steigerungsrate aller Bundesländer.
Ebenfalls ein zweistelliges Plus bei Insolvenzen verzeichnete Salzburg mit +10,53 Prozent, deutlich leichter zugelegt haben hingegen Niederösterreich (+3,56 Prozent) und Tirol (+3,40 Prozent). Weniger Fälle wurden neben Wien in Kärnten (-0,92 Prozent), Vorarlberg (-4,00 Prozent), der Steiermark (-5,51 Prozent) und dem Burgenland (-6,92 Prozent) verzeichnet.
Trotz der Rekordzahlen bei Firmenpleiten ging die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze zurück. 16.252 Dienstnehmer waren 2025 von Firmeninsolvenzen betroffen, nach 23.405 im Jahr 2024. Das entspricht einem Rückgang um 7.153 Arbeitsplätze bzw. 30,56 Prozent.
Für das Jahr 2026 rechnet der Gläubigerschutzverband lediglich mit langsam sinkenden Pleitezahlen, da sich eine Erholung der Wirtschaft erst mit sechs bis neun Monaten Verzögerung am Insolvenzsektor bemerkbar macht. Erwartet wird, dass sich die Gesamtinsolvenzen bei knapp unter 7.000 Verfahren (Eröffnungen und Abweisungen zusammen) einpendeln könnten – nach insgesamt 7.156 Fällen im Vorjahr.