Motorengeheul, Feuerwerk und Hunderte aufgemotzte Autos: Am Samstagabend verwandelte sich der Wiener Gürtel wieder in den Treffpunkt der Poser-Szene. Ein Team des Youtube-Kanals "Borzpower" war mittendrin und dokumentierte die nächtliche Ausfahrt.
Los ging es auf der Heiligenstädter Straße. Über Soziale Medien wurde zum "Gürtel Nightdrive" aufgerufen. Hunderte Autofahrer trafen sich bei McDonald's und Tankstellen. "Plötzlich, etwa um 23 Uhr, hat es laut gekracht – irgendwer hat Feuerwerke gezündet!", berichtet das Youtube-Team.
Danach setzte sich der Konvoi in Bewegung. Vom Treffpunkt ging es auf den Gürtel und weiter bis zur sogenannten "Insel" bei der Kreuzung mit der Wienzeile. Dort warteten bereits die nächsten Teilnehmer beim Burger King und einer Tankstelle.
Vor der Kamera sprechen einige Fahrer offen. "130, 140 km/h sollten am Gürtel schon erlaubt sein", sagt ein junger Mann im Burberry-Hemd.
Auch seine Beifahrerin fordert höhere Tempolimits: "Ehrlich, weniger Polizei wäre gut, und an manchen Stellen sollten schon 70 km/h erlaubt sein."
Ein weiterer Lenker sitzt mitten in der Nacht mit Sonnenbrille hinter dem Steuer. Seine Forderung: "Fahrradwege weg! Die müssen weg, ich brauche eine Spur mehr."
Die Wiener Polizei hatte die Szene ebenfalls im Blick. "Es gab eine Schwerpunktaktion im Zusammenhang mit diesem Social-Media-Aufruf", bestätigt die Landespolizeidirektion Wien gegenüber "Heute". Kontrolliert wurden diese und weitere ähnliche Veranstaltungen.
Die Bilanz der Aktion fällt deutlich aus: Ein Lenker wurde mit 155 km/h statt der erlaubten 80 km/h gemessen. Drei Rasern wurde der Führerschein abgenommen. Insgesamt erstattete die Polizei 442 Anzeigen wegen Schnellfahrens. Vier Kennzeichen wurden abgenommen, dazu kamen drei Anzeigen wegen Fahrens ohne Berechtigung sowie mehrere Organmandate.
Nur wenige Tage zuvor hatten Aktivisten der Initiative "Gürtelliebe" an derselben Stelle übrigens das genaue Gegenteil gefordert: Tempo 30 statt Vollgas. Dafür zeigte eine Teilnehmerin des Nightdrives wenig Verständnis: "Sogar der 50er ist manchmal krank wegen dem Stau, 30 geht gar nicht."