Die Hitzewelle setzt Wiens Schulen massiv zu – zuletzt hatte es teilweise 35 Grad in den Klassenräumen. Auch, wenn am Freitag bereits Zeugnistag ist: Lehrer und Schulleiter suchen nach Möglichkeiten, die Klassenräume die Tage bis zum Schulschluss zumindest über Nacht abzukühlen. Doch genau dafür braucht es eine Genehmigung der Stadt.
Wie die MA 56 (Wiener Schulen) erklärt, müssen Pflichtschulen vor einer Nachtlüftung Kontakt mit der Behörde aufnehmen. "Die Wiener Pflichtschulen sollten sich vor der Anwendung einer Nachtlüftung an uns wenden, damit wir einerseits Bescheid wissen und gegebenenfalls auch noch davor Veranlassungen, beispielsweise mit dem Schulwart treffen können", meint MA-56-Leiterin Andrea Trattnig zu "Heute".
Informiert bzw. beantragt haben dies seit dem vergangenen Jahr allerdings nur rund 21 Standorte von rund 440. Wird der Antrag genehmigt, dürfen die Fenster auch außerhalb des Schulbetriebs geöffnet bleiben, um die kühle Nachtluft herein- und durchziehen zu lassen.
"Wichtig hierbei ist nur, dass aus Sicherheitsgründen ein besonderes Augenmerk auf das Erdgeschoss gelegt wird und dass Gewitterprognosen im Auge behalten werden", erklärt Trattnig.
Andere Maßnahmen sind deutlich schwieriger umzusetzen. Mobile Klimageräte sowie Stand- oder Deckenventilatoren werden von der Stadt aufgrund von sicherheits- und brandschutztechnischen Anforderungen nicht genehmigt: "Mobile Klimageräte etwa erzeugen eine zusätzliche Brandlast, können Fluchtwege einschränken, ihr Betrieb erfordert eine Abluftführung über geöffnete Fenster, was im laufenden Unterricht nicht umsetzbar ist, und sie verursachen einen Lärmpegel, der den Schulbetrieb beeinträchtigen kann", heißt es.
Auch private Geräte dürfen nicht einfach in Schulen verwendet werden. Laut Stadt können sie wegen Haftungs- und Wartungspflichten nicht in das offizielle Schulinventar übernommen werden. Mobile Handventilatoren seien hingegen jederzeit erlaubt.
Bei Neubauten, wie den großen Bildungscampus-Standorten, setzt Wien bereits auf außenliegende Beschattung, Begrünung sowie moderne Temperierungssysteme etwa mit Geothermie und Bauteilaktivierung.
Als Beispiele werden von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die für die Planung und Umsetzung von Bundesschul-Gebäuden zuständig ist, etwa das BRG Seestadt (Donaustadt), die AHS Wien West (Penzing) und das BRG Lessinggasse (Leopoldstadt) genannt.
"Klimatisierung ist nur in sehr spezifischen Bereichen – zum Beispiel in Maturaräumlichkeiten oder EDV-Klassen ein Thema und wird aufgrund der damit verbundenen nicht unwesentlichen Kosten nur auf ausdrückliche Bestellung des Mieters (Bildungsministerium) umgesetzt", heißt es zu "Heute".
Wer in einer der rund 170 Container-Klassen (Stand: August 2025) unterrichtet wird, hat jedenfalls Glück – diese sind klimatisiert. Schwieriger gestalten sich Hitzeschutz-Maßnahmen bei Bestandsschulen. Laut Stadt stoßen Sanierungen hier häufig an technische, finanzielle oder denkmalpflegerische Grenzen. Die Kosten dafür muss der jeweilige Bezirk tragen.
Um den Bezirken finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung der Maßnahmen zu ermöglichen, wurde zuletzt im April beschlossen, diese in die Mitfinanzierung durch das Schulsanierungspaket II aufzunehmen: "Dadurch können diese Maßnahmen im Bezirk zu 40 Prozent aus Mitteln des Zentralbudgets mitfinanziert werden", so Trattnig.
Wie am Dienstag bekannt wurde, hat die Bildungsdirektion zudem die Stelle zur Koordinierung der Klimabeauftragten an Schulen gestrichen. Das sorgt bei den "Teachers for Future Österreich" und bei den Wiener Grünen für Kritik.
Demnach zählt das Netzwerk der Klimabeauftragten über 90 freiwillige Pädagogen und Schulleiter aller Schultypen, die seit 2021 über die Koordinierungsstelle bei Klimaschutz, Klimabildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung unterstützt wird.
Diese Koordination sollen künftig ein bis zwei Schulqualitätsmanager zusätzlich zu ihrer Arbeit übernehmen: "Fraglich ist, ob sie über die notwendigen zeitlichen Ressourcen und fachliche Expertise verfügen, und ob sie Ansprechpartner auf Augenhöhe für die Klimabeauftragten sein werden", heißt es seitens "Teachers for Future Österreich" in einer Aussendung.
"Das Netzwerk der Klimabeauftragten ist in den Wiener Schulen sehr anerkannt und durch die standortübergreifende Koordinierung sehr wirksam. Jetzt ist zu befürchten, dass auch dieses Projekt einschläft", so Felix Stadler, Bildungssprecher der Wiener Grünen und selbst Lehrer. Die Grünen fordern zudem einen Hitzeschutzplan für Wiens Schulen.