Das im Bezirk Amstetten in Niederösterreich gelegene APG-Umspannwerk Ernsthofen ist einer der größten und für die österreichische Stromversorgung wichtigsten Netzknoten im APG-Netz, in dem überregionale und regionale Versorgungsleitungen aufeinandertreffen.
Das Werk sichert die Versorgung weiter Gebiete in Niederösterreich und Oberösterreich (Amstetten, Steyr, Wels) sowie im Zentralraum Oberösterreich und Linz (Stahlproduktion).
Darüber hinaus spiele das Umspannwerk eine wesentliche Rolle für die Versorgungssicherheit Österreichs und den bundesweiten Transport erneuerbarer Energien in der Ost-West-Achse. Mit dem Ausbau des Umspannwerks Ernsthofen werden auch die notwendigen Kapazitäten für die lokale Wirtschaft und Industrie – unter anderem Rechenzentren und Stromspeicher – und somit für einen starken Standort geschaffen. Die lange Betriebsdauer seit den 1940er-Jahren erfordert eine weitreichende Modernisierung des Werks, um die sichere Stromversorgung in der Region in den kommenden Jahrzehnten zu gewährleisten und die Integration von Erneuerbaren zu verbessern.
Landesvize Stephan Pernkopf (VP) dazu: "Eine sichere Stromversorgung braucht auch sichere und leistungsstarke Netz. Die großen Investitionen der APG in die Generalerneuerung des Umspannwerks Ernsthofen sind daher ein wichtiger Schritt für die Versorgungssicherheit, für die lokale Wirtschaft und gegen Blackouts. Im Öl- und Gas-Bereich sehen wir durch Trump und Putins Kriege aktuell wieder einmal, wie abhängig wir von anderen Erdteilen, von Russland und dem arabischen Raum sind. Umso wichtiger ist es, die heimische Energie bei uns zu nutzen und gleichzeitig so auch die Preise zu stabilisieren. Also unser Land an die Spitze bringen, Sicherheit geben und das Leben durch stabile Preise leichter machen."
Das seit 2017 laufende Großprojekt umfasst drei Etappen: Die Modernisierung der 110-kV-Anlage wurde bereits Ende 2022 erfolgreich abgeschlossen. Die Generalerneuerung der sich über eine Fläche von 71.000 m² (dies entspricht etwa zehn Fußballfeldern) erstreckenden 220-kV-Schaltanlage, welche unter Aufrechterhaltung des Anlagenbetriebs mit umfangreichen 220-kV-Provisorien durchgeführt wird, ist voll im Gange: Bauabschnitt 1 wurde 2025 bereits abgeschlossen, die Arbeiten im Bauabschnitt 2 starteten 2025 und werden bis 2027 finalisiert sein, während Bauabschnitt 3 im Zeitplan für die Jahre 2027 bis 2029 vorgesehen ist.
"Die großangelegte Modernisierung der 220-kV-Schaltanlage ist ein logistischer Meisterakt: Aufgrund der umfassenden Bauarbeiten werden circa 22.000 m² zusätzliche Fläche für die Zwecke der Errichtung von Provisorien, für ein Containerdorf und Lagerplätze benötigt. Überdies werden ca. 30.000 m³ Beton, 110.000 m³ Erdbewegung und 1.400 Tonnen Stahl benötigt. Dank des direkten Gleisanschlusses im Umspannwerk wurde der Antransport der Portale inklusive Stahlbausteher und auch die Anlieferung von Transformatoren klimaschonend gestaltet. Alle Arbeiten rund um die Modernisierung verlaufen plangemäß und sind dementsprechend auf Kurs", unterstreicht Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid (APG).
Überdies sieht das Megaprojekt auch die Errichtung drei neuer 220/110-kV-Großtransformatoren als Herzstück des Umspannwerks vor, die als Bindeglied zwischen dem österreichweiten Höchstspannungsnetz der APG und dem regionalen Verteilnetz fungieren und die durch das gezielte Steuern von Stromflüssen Netzengpässe vermeiden, wobei alle drei Trafos bereits angeliefert und errichtet wurden. In Summe sorgen mit den sieben Bestandstransformatoren in der Region und ganz Österreich. Der Abschluss des Megaprojekts ist für 2029 geplant.
In der APG-Steuerzentrale "Power Grid Control" in Wien wird das österreichische Stromsystem zentral gemanagt: sämtliche Netzinformationen des heimischen Übertragungsnetzes werden dort gebündelt und verarbeitet.
Neben der Steuerzentrale in Wien Südost gibt es in Österreich noch vier regionale APG-Warten, um den sicheren, digitalen und effizienten Netzbetrieb mehrstufig, im Sinne einer Mehrfachabsicherung und der hochverfügbaren Stromversorgung redundant und ortsnah zu organisieren.
Eine dieser vier regionalen APG-Warten befindet sich im Umspannwerk Ernsthofen. Die Warte ist direkt mit den Umspannwerken vor Ort verbunden, wodurch ein schnelles Eingreifen bei Störungen, fundierte Entscheidungen durch Ortskenntnis und eine effiziente Koordination von Wartung, Umbauten und Schalthandlungen möglich sind. Die regionale Warte ermöglicht somit eine feingliedrige Steuerung und eine permanente Überwachung auf regionaler Ebene – ein Vorteil bei regionalen Lastschwankungen oder Umbauarbeiten. Der regionalen Warte im Umspannwerk Ernsthofen sind 700 Steuerungskomponenten in der Region zugeordnet. Die in die Jahre gekommene Warte wurde nun neu errichtet, voll digitalisiert und somit auf den modernsten Stand gebracht. Sie wurde nun erfolgreich in Betrieb genommen.
"Der Ersatzneubau der regionalen Warte im Umspannwerk Ernsthofen war ein Bravourstück, weil der Umstieg auf die Systeme der neuen Warte fließend und sozusagen im lebenden System durchgeführt wurde. Ich gratuliere allen Beteiligten zur erfolgreichen Inbetriebnahme. Die moderne, den neuesten technischen Anforderungen entsprechende regionale APG-Warte schafft die Basis für einen sicheren, stabilen und effizienten Netzbetrieb", betont Gerhard Christiner.