Das Naturhistorische Museum Wien feiert heuer seinen 150. Geburtstag – doch statt Torte und Festreden gibt es eine überraschend ehrliche Abrechnung mit der eigenen Vergangenheit. Unter dem provokanten Titel "Gutes Sammeln – Böses Sammeln" zeigt das Traditionshaus ab sofort seine glänzenden Schätze – und die dunklen Kapitel dahinter.
Bei der Pressekonferenz im Vortragssaal des Museums machte Generaldirektorin Katrin Vohland klar: Dieses Jubiläum soll mehr sein als ein nostalgischer Rückblick. Es geht um große Fragen: Wie kamen viele Objekte überhaupt ins Museum? Wer profitierte davon? Und was bleibt heute davon übrig?
Seit 1876 sammelt das NHM Wien alles, was die Natur zu bieten hat – von winzigen Kalkalgen bis zum riesigen Diplodocus-Skelett. Heute lagern dort rund 30 Millionen Objekte. Doch manche Stücke haben eine problematische Geschichte.
Die Ausstellung thematisiert offen koloniale Expeditionen des 19. Jahrhunderts, fragwürdige Erwerbungen und den Umgang mit Objekten, die während der NS-Zeit unrechtmäßig ins Haus gelangten. Ein mutiger Schritt für ein Haus, das lange als ehrwürdiger "Tempel des Wissens" galt.
Das Gestaltungsteam rund um breadedEscalope und Benedikt Haid setzt auf überraschende Perspektiven, moderne Inszenierungen und starke Kontraste.Ein Saal zeigt die Welt des Sammelns streng geordnet wie ein riesiges Raster. Im anderen wird genau diese Ordnung wieder aufgebrochen. Besucher sollen ihre Sichtweise ändern.
Besonders skurril: Die Ausstellung spannt den Bogen von historischen Sammlungskatalogen über die von Kaiser Franz Joseph I. unterzeichnete Gründungsurkunde bis hin zu alten Spucknäpfen aus den Schauräumen. Sogar Handabdrücke von Klimaprotestierenden sind zu sehen.
Zum Abschluss der Schau wartet das digitale Museum: Hochauflösende 3D-Modelle werden projiziert, interaktive Animationen laden zum Staunen ein.