Es ist oft nur ein kurzer Moment: Jemand bleibt stehen, sieht einen Menschen in der Kälte sitzen und überlegt kurz, ob er eingreifen soll. Genau diese Sekunden entscheiden im Winter oft darüber, ob Hilfe ankommt oder nicht. Tausende Wiener haben sich in den vergangenen Monaten dafür entschieden, nicht wegzuschauen.
Mehr als 15.500 Mal wurde das Kältetelefon der Caritas gewählt. Hinter jeder einzelnen Meldung steckt ein Mensch, der Verantwortung übernommen hat. "So kommt Hilfe dorthin, wo sie dringend gebraucht wird", sagt Caritasdirektor Klaus Schwertner. Aus diesen Anrufen werden konkrete Einsätze – und für viele Betroffene eine echte Chance, die Nacht sicher zu überstehen.
Was mit einem Anruf beginnt, wird rasch zu greifbarer Unterstützung. Über 490 Menschen konnten diesen Winter in Notquartiere gebracht werden, viele weitere wurden direkt auf der Straße versorgt. Oft sind es scheinbar kleine Dinge wie ein Schlafsack, ein heißer Tee oder ein kurzes Gespräch, die in der Kälte den entscheidenden Unterschied machen.
Infobox: Kältetelefon Wien
Wann erreichbar:
November bis 30. April, rund um die Uhr
Telefonnummer:
01 / 480 45 53
Was passiert beim Anruf:
Du meldest eine Person in Not - Streetworker fahren hin und leisten Hilfe vor Ort.
Wer hilft:
Teams der Caritas Wien im täglichen Einsatz auf den Straßen
Wichtig:
Bei einem medizinischen Notfall bitte immer die Rettung unter 144 rufen
Wie groß die Not ist, zeigt ein Blick in die "Gruft": Seit November wurden dort rund 42.300 Mahlzeiten ausgegeben. Mehr als 9.400 Mal fanden Menschen ein warmes Bett für die Nacht. Für viele ist es zumindest für ein paar Stunden ein Ort, an dem sie zur Ruhe kommen können.
Auch die Notquartiere der Caritas waren über den gesamten Winter hinweg stark ausgelastet. Rund 620 Menschen wurden dort betreut, viele von ihnen über längere Zeit. Hinter jeder Zahl steht ein persönliches Schicksal, das ohne diese Hilfe noch deutlich härter verlaufen wäre.
Der Suppenbus Canisibus brachte zusätzlich Wärme direkt dorthin, wo sie gebraucht wird. 180 Freiwillige kochten rund 39.000 Portionen Suppe und verteilten sie auf Wiens Straßen. Gerade in den kalten Abendstunden wird der Bus für viele zu einem wichtigen Anlaufpunkt.
Besonders schwierig ist die Situation für Menschen, die krank sind und keine Versicherung haben. Für sie ist der Zugang zu medizinischer Versorgung oft stark eingeschränkt oder gar nicht möglich. Genau hier setzt der Louisebus an und fährt dorthin, wo Hilfe gebraucht wird.
1.198 Patienten wurden diesen Winter behandelt – kostenlos und ohne bürokratische Hürden. Oft sind es genau diese Einsätze, die verhindern, dass sich Krankheiten verschlimmern oder lebensbedrohlich werden. Die Bilanz zeigt: Hilfe beginnt in Wien oft ganz leise – mit einem Blick, einem Entschluss und einem einzigen Anruf.