Ein erschütternder Todesfall beschäftigt derzeit die Wiener Justiz: Eine 47-jährige Frau soll eine pflegebedürftige Pensionistin über Monate hinweg massiv vernachlässigt haben, während sie das volle Pflegegeld für die Betreuung kassierte. Ihr drohen zehn Jahre Haft.
Laut Staatsanwaltschaft habe die Serbin – sie befindet sich auf freiem Fuß – ihre Verpflichtung zur Pflege der mit ihr nicht verwandten Frau "gröblich vernachlässigt" – auf schockierende Weise und mit fatalen Folgen. Die 85-Jährige kam Mitte Juni 2025 in "moribundem Zustand" mit nur 38 Kilo, Nierenversagen, Sauerstoffnot und "bis an die Knochen reichender" Druckgeschwüre ins Spital, wo sie kurz darauf an einer Blutvergiftung starb.
Zuvor war sie mehrere Monate lang bei der Beschuldigten in Pflege gewesen. Medizinische Betreuung gab es für die zuletzt nur noch bettlägrige Frau dort jedoch nicht. Wie auch: Die Verdächtige soll über keinerlei pflegetechnische Kenntnisse verfügen – zum Essen habe sie der Frau nur Flüssignahrung gegeben. Das eingeholte Gutachten stellte fest: Zwischen den schweren Pflegemängeln und dem Tod bestehe ein "ursächlicher Zusammenhang".
"Die beiden Frauen kannten sich von der Gartenarbeit, wurden Freundinnen", erklärt Verteidiger Sascha Flatz. Die alleinstehende Pensionistin sei im Jänner 2025 freiwillig zur Angeklagten in deren Wohnung gezogen. "Sie war Medizinern gegenüber skeptisch und wollte partout keinen Arzt mehr aufsuchen, klagte nie über Schmerzen", so der Jurist zu "Heute".
Der Vorwurf des Quälens und Vernachlässigens einer wehrlosen Person mit Todesfolge wird vehement bestritten. "Hätte die Angeklagte von ihrem tatsächlichen kritischen Zustand gewusst, hätte sie ärztliche Hilfe früher beigezogen", hofft er beim baldigen Prozess am Wiener Landl auf einen Freispruch. Die Unschuldsvermutung gilt.