Kürzlich fuhr Werner K. mit einem UberX-Taxi von Baden nach Leobersdorf: "Die 15 Kilometer lange Strecke in einem neuen 5er-BMW hat uns 19 Euro gekostet." Es war ein fröhlicher Samstagabend, der wenige Stunden später mit einem kleinen Schock für den 45-jährigen Niederösterreicher enden sollte.
"Wir waren in der MeliBar und haben dort zwei oder drei Getränke getrunken", erzählt K.: "Dann wurde ich müde und wollte nicht mitten in der Nacht zu Fuß nach Hause gehen. Ich habe mich also von meinen Freunden verabschiedet und bin in Leobersdorf in ein stehendes Taxi gestiegen." Werner K. wohnt in Sollenau, im Bezirk Wiener Neustadt, keine fünf Autominuten vom besagten Lokal entfernt.
Nachdem er eingestiegen war, fuhr K. das kurze Stück zu seinem Wohnort – dann plötzlich der Schock: "Der Fahrer hat mir für die drei Minuten 18 Euro in Rechnung gestellt. Das ist eine absolute Frechheit. Wir sind doch nur drei Kilometer weit gefahren." Kurz vor 3.00 Uhr erreicht K. sein Ziel.
Der Mittvierziger ärgert sich: "Auf Nachfrage, ob das sein Ernst sei, hat mir der Fahrer nur mitgeteilt, dass es nun einmal so viel kosten würde. Der Taxameter war natürlich nicht eingeschaltet." Werner K. hat sich eine Rechnung geben lassen, die "Heute" vorliegt. Darauf sind lediglich der Name des Taxiunternehmens, die Uhrzeit und der Betrag vermerkt, jedoch keine Details zur Strecke oder zur Dauer der Fahrt.
"Heute" hat beim betreffenden Taxi-Unternehmen nachgefragt. Die Geschäftsführerin hat sich die Mühe gemacht, genau zu schildern, wie in ihrem Betrieb verrechnet wird. Und sie bestätigt gleich am Beginn ihrer Ausführungen, dass korrekt verrechnet wurde: "Richtig, der Preis für die Taxifahrt von Leobersdorf nach Sollenau beträgt in meinem Unternehmen € 18,00."
Laut einer Vorgabe der WKO, die "Heute" vorliegt, setzt sich der Preis aus Grundtaxe und Streckentaxe zusammen. "Taxameter braucht man nicht zwingend, wenn man sich an diesen Zahlen orientiert und mit einer fixen Preisliste arbeitet", erklärt die Unternehmerin.
Dann erläutert sie ihre Kalkulation: "Wenn man jetzt rechnet: 4 km (laut Google eigentlich 5 km) mal 3,80 Euro Streckentaxe (hier gilt Tarif 2, Tarif 1 gilt nur innerhalb von Baden) plus 4,50 Euro Grundtaxe ergeben sich 19,70 Euro." Das sei weniger, als ihr Fahrer verrechnet habe.
Zum Ende der Stellungnahme wird es politisch: "Wenn uber-Fahrer um 19 Euro von Baden nach Leobersdorf fahren, ist das nicht nur verboten, sondern sollte überdies an die Wirtschaftskammer gemeldet werden! Denn genau diese Unternehmen sind es, die die ganze Branche in den Dreck ziehen und leiden lassen! Hat der Herr da auch nachgefragt, warum kein Taxameter im Auto ist?"
Zurück bei Werner K. in Sollenau. Den Preis für seine nächtliche Fahrt findet er weiterhin nicht fair: "Mein Sohn kommt bald in ein Alter, in dem man mit seinen Freunden bis zum frühen Morgen um die Häuser zieht. Wie sollen sich Teenager am Land solche Preise leisten, wenn diese vielleicht auch noch steigen?"