Die Spritpreise steigen in ganz Österreich – besonders bitter ist das für Pendler. Eine 60-Liter-Tankfüllung kostet aktuell rund 17 Euro mehr als noch vor wenigen Tagen. Zehntausende Berufspendler spüren die Belastung täglich im Geldbörsel. Besonders ärgerlich: Experten sagen, dass der Preissprung derzeit eigentlich noch gar nicht notwendig wäre. "Heute" hat sich direkt an den Zapfsäulen umgehört.
Bei einer Tankstelle in Enns (Bez. Linz-Land) sind die Preise bei unter 1,80 Euro noch vergleichsweise moderat. Die Aufregung über den Anstieg ist dennoch längst angekommen: "Die Leute regen sich auf, dass es so teuer geworden ist, dass es eine Katastrophe ist", erzählt eine Angestellte gegenüber "Heute". "Ich muss mich am Tag zehnmal entschuldigen und erklären, dass ich die Preise nicht mache, dass das von der Zentrale kommt." Das würden die Kunden dann auch einsehen, mühsam sei es dennoch.
Manche Kunden zeigen sogar Verständnis: "Das war zu erwarten", sagt ein Pensionist in Bezug auf die Preissteigerung. "Gerechtfertigt ist es nicht, weil normal ist ja der Sprit schon eingelagert." Trotzdem verstehe er "den Unternehmer, der den Preis rauf fahrt". Auf der Autobahn gehe er aus Prinzip nicht mehr Tanken, "weil das sehe ich nicht ein, dass dort der Liter über zwei Euro kostet. Da ist dann Schluss!"
Während sich viele Österreicher über steigende Preise ärgern, ist die Lage jenseits der Grenze in Bayern noch drastischer – dort kostet der Liter schon flächendeckend über 2 Euro. Die Folge: Immer mehr Autofahrer kommen zum Tanken nach OÖ. Das zeigt sich besonders in Schärding, wo beim Lokalaugenschein am Donnerstagvormittag reger Tanktourismus herrschte.
In der Barockstadt kostet der Liter Benzin "nur" rund 1,61 Euro, wenige Kilometer weiter über der Grenze in Passau allerdings schon 2,05 Euro. Konrad Oberpeilsteiner aus Vornbach am Inn (Landkreis Passau) bringt die Stimmung auf den Punkt: "Die Fahrt über die Grenze zum Tanken nach Österreich lohnt sich für uns."
Für den langjährigen Chef von Viega ist klar, woran das liegt: "Weil unser Bundesfinanzminister Lars Klingbeil 50 Prozent an Steuern einsackt. Der hat gut lachen. Wir Rentner und Pendler sind die Dummen. Man kann das auch als Spritpreis Abzocke nennen!"
Auch Andrey Lamm aus Ruhstorf an der Rott fährt zum Tanken über die Grenze. Der 37-jährige Familienvater und Alleinverdiener warnt vor Folgen für alle: "Da werden dann schließlich auch die Lebensmittel wieder um einiges teurer."
Für Hans Spieleder aus Vornbach, früher Verkaufsleiter der Privatbrauerei Wolferstetter, ist klar, wer den Preissprung als erster spürt: "Die Leidtragenden sind die Pendler, die jeden Tag aufs Auto angewiesen sind." Gleichzeitig sieht er die großen Player als Gewinner der Situation: Er fragt sich, "wie lange es dauert, bis die Spritpreise wieder auf den alten Stand zurückgeführt werden, wenn der Krieg vorbei ist".
Alois Graz aus Brunnenthal (Bez. Schärding) zuckt eher mit den Schultern: "Was sollst du machen – ohne Benzin fährt kein Auto." Er warnt aber, dass es noch ungemütlicher werden könnte: Wenn der Krieg länger dauert, werde es "auch bei uns auf zwei Euro klettern". Walter Huber aus Wernstein denkt beim Blick auf die Zapfsäule schon an seine Freizeit: "Die Schwammerl werden heuer teuer werden. Die Spritpreise sind einfach zu hoch."
Deutlich weniger entspannt ist Josef Bauer aus Schardenberg. Er findet, dass von der Politik zu wenig Handfestes kommt: "Unsere Regierung präsentiert nur dicke Überschriften ohne Inhalte." Für Schärdings Gemeinderat Norbert Leitner (ÖVP) sind die Preise noch innerhalb der Schmerzgrenze, "aber verstehen kann ich nicht, dass die Preise an den Tankstellen im Krisenfall sofort steigen, aber dann nur sehr zögerlich und langsam wieder sinken." Er hofft, dass "die Krise und der schreckliche Krieg am Verhandlungswege beendet werden" können.