2-facher Vater flehte um sein Leben – starb an Corona

Schläuche, Geräte, Beatmungs- und Herz-Lungen-Maschine: Das ist der Alltag eines Intensiv-Pflegers. (Symbolbild).
Schläuche, Geräte, Beatmungs- und Herz-Lungen-Maschine: Das ist der Alltag eines Intensiv-Pflegers. (Symbolbild).Getty Images/iStockphoto
Ein coronakranker Vater zweier kleiner Kinder kam zu Dalibor Ristric auf die Intensivstation. Er flehte ihn an, nicht zu sterben. Leider vergebens.

Dalibor Ristic ist seit 25 Jahren Intensivpfleger mit Leib und Seele. Bereits mit 16 Jahren kam er knapp vor dem Bosnien-Krieg nach Österreich und absolvierte hier von 1993-1996 die Ausbildung zum Diplom-Krankenpfleger. Heute arbeitet er im Intensiv-Bereich auf der 4. Medizinischen Abteilung in der Klinik Favoriten. Wenn der 45-Jährige die Zeit vor Corona mit jetzt vergleicht, sagt er: "Es ist ungleich mehr los als vor Corona. Das ist unbestritten. Und seit Beginn der Pandemie haben wir ausschließlich Corona-Patienten bei uns."

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Patienten-Altersschnitt rapide gesunken

Die Station hat eine Kapazität von 10 Betten, die aktuell alle belegt sind. Waren es in der ersten Welle noch vorwiegend alte Menschen ab 70, die coronabedingt dort behandelt werden mussten, sank der Altersdurchschnitt mittlerweile erheblich ab. "Momentan sind unsere Patienten zwischen 45 und 55 Jahre alt", erzählt Ristic. Alle ungeimpft, wiewohl er auch Geimpfte auf der Station hatte. "Das waren aber immunsupprimierte Patienten, bei denen die Impfung aufgrund der Medikamente, die sie einnehmen müssen, nicht wirkt."

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"Es sterben genug"

Wie viele Patienten schaffen es, wie viele sterben? "Ich bin Krankenpfleger und führe keine Statistik, aber es sterben genug Patienten", antwortet er und macht es an einem Beispiel deutlich: "Es kam ein ungeimpfter 45-jähriger Mann auf unsere Intensivstation, weil sich sein Zustand rapide verschlechtert hatte. Man konnte sehen, dass er Angst hatte und bat uns, alles zu tun, damit er nicht sterbe und seine zwei kleinen Kinder nicht ohne Vater aufwachsen müssten. Dieser Mann hat die Krankheit leider nicht überlebt." Und das ist nicht der einzige tragische Fall, den der erfahrene Krankenpfleger seit März 2020 erlebt hat. "Meistens sind die Angehörigen auch nicht geimpft und machen sich im Nachhinein Vorwürfe. Aber dann ist es zu spät".

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Besuche sind auf der Station erlaubt. Als Angehöriger darf man – unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften – drei Mal pro Woche, jeden zweiten Tag, Krankenbesuche machen. Sollte absehbar sein, dass ein Patient es nicht schaffen wird, darf auch öfter besucht werden, erklärt Dalibor.

Kein Personalmangel

Obwohl die Station voll belegt ist, ist der Pfleger froh, nicht mit Personalstandproblemen kämpfen zu müssen wie andere Häuser. "Als Corona letztes Jahr bei uns so richtig losging, wurde unser Personalstand aufgestockt. Das hat die Situation entspannt – auch im Team." Derzeit arbeiten acht Pflegefachkräfte im Tagdienst und sechs im Nachtdienst und er wünscht sich, dass diese Mitarbeiterzahl noch so lange wie nötig aufrecht bleibt. "Wenn die Pandemie vorbei ist, werden die Intensivstationen anderer Häuser zum Alltag zurückkehren, aber unsere Intensivstation wird Anlaufstelle für Corona-Patienten bleiben. Denn es ist klar, dass Corona nicht mehr verschwinden wird und es auch später noch Patienten geben wird, die intensivmedizinische Betreuung brauchen werden. Damit müssen wir uns abfinden."

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