Diakonie fordert Maßnahmen

2 Jahre Wartezeit auf Therapie: Kaum Hilfe für Autisten

Lange Wartezeiten, fehlende Therapieplätze und große Lücken im System belasten Betroffene und Familien. Die Diakonie fordert eine nationale Strategie.
Wien Heute
02.04.2026, 16:43
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Die Diakonie fordert eine nationale Strategie für ein besseres Zusammenleben mit Menschen im Autismus-Spektrum – und legt dabei massive Missstände offen. Lange Wartezeiten, fehlende Therapieplätze und ein System, das Betroffene im Stich lässt.

„Vorurteile gegenüber Menschen im Autismus Spektrum halten sich hartnäckig. Sie führen zu groben Mängeln bei der Diagnostik und schränken Chancen und Lebensqualität von Autist:innen massiv ein. Diagnosestellen sind überlaufen, man wartet Monate lang auf einen Termin. Auf einen Therapieplatz müssen Kinder bis zu zwei Jahre warten. Auch Wartezeiten auf Kindergarten- oder Wohnplatz betragen viele Monate bis Jahre. Die Engpässe setzen sich in der Schule und am Arbeitsmarkt fort. Das muss ein Weckruf sein", mahnt Diakonie-Direktorin eindringlich.

Schockierende Erfahrungen mit Behörden

Besonders alarmierend: die Situation rund um Gutachten und Sozialleistungen. Betroffene berichten von Unverständnis, Bürokratie und sogar Demütigung.

„Mir wurde die erhöhte Familienbeihilfe immer genehmigt bis vor ein bis zwei Jahren. Dann hieß es plötzlich, ich bräuchte Nachweise, dass ich aktuell in Therapie bin, oder einen aktuellen fachärztlichen Befund, dass ich noch immer autistisch sei. Das ist schon sehr befremdlich, wo doch jeder weiß, dass Autismus nicht weggeht", schildert Betroffener Felix Zych.

Alltag voller Hürden

Wie schwierig der Alltag für Betroffene ist, zeigen persönliche Einblicke. Schon in der Schule sind einfache Dinge oft eine Herausforderung.

"In einem eigenen Raum, abgeschirmt von den Reizen anderer Mitschüler (z.B. Kugelschreiberklicken)" – nur so konnte Felix Zych Prüfungen bewältigen. An der Universität kämpft er weiter: "Der normale Lehrbetrieb ist eine Herausforderung, da ich mit großen Hörsälen und Menschengruppen ein Problem habe. Das heißt, für mich ist es enorm hilfreich, wenn Lehrveranstaltungen gestreamt und im besten Fall auch aufgezeichnet werden, sodass ich diesen Reizen und dem damit verbundenen Stress entkommen kann."

Systemversagen mit Folgen

Die Diakonie schlägt Alarm: Fehlendes Wissen führe "zu mangelnder Unterstützung - Stichwort Therapielücken - und struktureller Ausgrenzung im Bildungsbereich und am Arbeitsmarkt", heißt es.

Kinder erhalten oft viel zu spät Unterstützung oder werden sogar ganz vom Kindergartenbesuch ausgeschlossen. In Schulen fehlt Personal, Förderungen sind uneinheitlich – und nach der Pflichtschule endet oft jede Unterstützung.

Klare Forderung: Nationale Strategie jetzt!

Die Lösung liegt laut Diakonie auf der Hand – und existiert in vielen Ländern bereits. Österreich hinkt hinterher. Gefordert wird eine umfassende Strategie, "dass autistische Menschen in allen Lebensbereichen gleichberechtigt teilhaben können – sozial, wirtschaftlich, gesundheitlich".

{title && {title} } red, {title && {title} } 02.04.2026, 16:43
Jetzt E-Paper lesen