Wer Gerri Geiger kannte, kannte auch seine Kopfbedeckungen. Mehr als 2.000 Stück sammelte das Wiener Original im Laufe seines Lebens: Baseballcaps, Hüte, Hauben, Radsportkapperl und Uniformmützen.
Auf manchen standen Sprüche wie "Anti Bad Vibe Shield" oder "Tonight I’m Irish", andere trugen die Namen von Biermarken, ÖBB oder ARBÖ. Und natürlich durfte auch ein "Augustin"-Kapperl nicht fehlen.
Geiger, Jahrgang 1968, starb im Jänner 2026 im Alter von 57 Jahren. Rund 25 Jahre lang verkaufte er die Straßenzeitung "Augustin", vor allem in den Gürtellokalen und rund um den Yppenplatz. Mit seiner button-übersäten Jacke, seinem direkten Schmäh und seinen Kapperln wurde er dort zur bekannten Erscheinung.
Doch hinter der riesigen Sammlung steckte mehr als bloße Sammelleidenschaft. Geiger bewahrte seine Stücke in seiner Gemeindewohnung akkurat auf und führte darüber sogar handschriftlich Buch. Die Kopfbedeckungen waren nummeriert und in Listen eingetragen.
Der Künstler Jürgen Glück lernte Geiger beim "Augustin"-Verkauf kennen. Aus Gesprächen wurde eine Freundschaft – und schließlich bekam Glück die Sammlung zu sehen.
Er begann, die Kapperl fotografisch zu dokumentieren. Daraus entstand die Idee für ein gemeinsames Buchprojekt.
Warum ausgerechnet Kopfbedeckungen? Darauf hatte Gerri eine denkbar knappe Antwort. "Als ich ihn im Laufe unserer Gespräche einmal fragte, warum er gerade Kopfbedeckungen sammle, antwortete er kurz und direkt: 'Schützt!'", erinnert sich Glück.
Eigentlich sollte das Projekt fertig werden, solange Geiger noch lebte. Das Buch sollte seine außergewöhnliche Sammlung würdigen und ihm zugleich ein zusätzliches Einkommen ermöglichen.
Dazu kam es nicht mehr. Geiger starb, bevor das Projekt abgeschlossen war. Mit Unterstützung zahlreicher Spender konnte es schließlich doch umgesetzt werden.
Wie der "Augustin" berichtet, erscheint mit "Kapperle. Die Sammlung Gerri Geiger" nun ein 160 Seiten starkes Buch, das Fotografien von Jürgen Glück mit Texten über Geigers Leben und die Bedeutung seiner Sammlung verbindet.
Damit wird aus den tausenden Kopfbedeckungen auch ein Stück Wiener Stadtgeschichte.
Das Buch erscheint im Wiener Mandelbaum Verlag und kostet 22 Euro. Präsentiert wird es am Freitag, 2. Oktober 2026, um 18.30 Uhr im Café Weidinger am Lerchenfelder Gürtel. Der Erlös kommt dem "Augustin" zugute.
Gerri selbst hatte für seinen Bekanntheitsgrad einst einen passenden Spruch: "Wer den Gerri nicht kennt, kennt Wien nicht."
Seine Runden durch die Gürtellokale kann er nicht mehr drehen. Seine "Kapperle" aber bleiben – jetzt auch zwischen zwei Buchdeckeln.