Nach mehr als 21 Monaten in Geiselhaft ist die Wienerin Eva Gretzmacher (76) wieder frei. Gemeinsam mit der Schweizerin Claudia Abbt wurde sie aus der Gefangenschaft in Niger befreit. Für ihre Familie endet damit eine lange Zeit der Ungewissheit.
Die beiden Frauen wurden zunächst nach Libyen gebracht und anschließend in ihre Heimatländer ausgeflogen. Bereits am Mittwoch hatte die Nachrichtenagentur Reuters über die Freilassung berichtet.
Wie genau die Befreiung zustande kam, ist noch nicht vollständig geklärt. Laut dem ostlibyschen Sender al-Masar soll sich Saddam Haftar auf Bitten der Angehörigen eingeschaltet haben. Seine Familie kontrolliert den Osten Libyens.
In einem veröffentlichten Video bedankte sich Gretzmacher bei der Familie: "Mein Name ist Eva Gretzmacher, ich bin 76 Jahre alt, und ich danke von ganzem Herzen Marschall Haftar und seinem Sohn Saddam, die uns freigelassen haben", sagte sie auf Französisch.
Auch die Schweizerin Claudia Abbt bedankte sich. Sie sei "froh, wieder frei zu sein". Nach Angaben des Schweizer Außenministeriums geht es ihr "den Umständen entsprechend gut".
Für Gretzmachers Sohn ist die Freilassung eine enorme Erleichterung. Er sei "überglücklich", dass "der Spuk und die Geiselnahme beendet sind und unsere Mutter nach Hause kommt", erklärte er in einer Videobotschaft. Er dankte allen Beteiligten, insbesondere auch der Familie Haftar. Seine Mutter könne er demnächst wieder in Empfang nehmen.
Die 76-Jährige hatte vor ihrer Verschleppung fast drei Jahrzehnte in der Wüstenstadt Agadez in Niger gelebt und sich dort unter anderem für Bildungs- und Entwicklungsprojekte eingesetzt.
Am 11. Jänner 2025 drangen bewaffnete Männer in ihr Haus ein und verschleppten sie mit einem Geländewagen. Laut lokalen Medien könnten die Entführer sie später an eine Terrorgruppe weitergegeben haben. Im Raum stand eine Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS).
Über die Umstände ihrer mehr als 21 Monate dauernden Gefangenschaft ist weiterhin wenig bekannt.