Ein obszöner Chat auf TikTok, ein Treffen mit gewalttätigem Ausgang und schließlich ein Gerichtsprozess: Ein 22-jähriger Grazer musste sich laut "Kronen Zeitung" wegen versuchten sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen vor dem Straflandesgericht Graz verantworten. Er hatte einer 15-Jährigen Geld für Oralsex angeboten. Obwohl das Mädchen ablehnte, ließ er nicht locker. Am Ende ging es um 4.500 Euro.
Die beiden kannten einander zuvor nicht. Wie der Angeklagte vor Gericht erklärte, sei er über den TikTok-Algorithmus auf das Profil der Jugendlichen gestoßen. Dann schickte er ihr eine eindeutige Nachricht. Für eine sexuelle Handlung stellte er zunächst 1.500 Euro in Aussicht.
Richterin Julia Riffel wollte vom 22-Jährigen wissen, ob er fremde junge Frauen grundsätzlich auf diese Weise anschreibe. "Fangen Sie Gespräche mit jungen Frauen immer so an?", fragte sie laut dem Bericht der "Krone".
Der Angeklagte verneinte. Rückblickend sei ihm sein Verhalten äußerst unangenehm. "Das gehört sich nicht, ich schäme mich dafür." Er beteuerte außerdem, dass er sein Angebot nie ernst gemeint habe. "Es war nur eine Provokation", erklärte der Grazer laut der Tageszeitung.
Die Richterin ließ diese Erklärung allerdings nicht einfach stehen. Schließlich hatte der junge Mann sein Angebot im Laufe der Unterhaltung mehrfach erhöht.
"Dafür waren Sie aber sehr beharrlich und sind mit ihrem Angebot immer weiter raufgegangen, am Ende waren es 4500 Euro", hielt sie ihm laut "Krone" vor. Der 22-Jährige blieb bei seiner Darstellung, dass er keine sexuelle Handlung beabsichtigt habe.
"Aber ich hätte nichts gemacht, Sex für Geld ist verwerflich", erklärte er laut dem Bericht. Dabei verfügt der Schüler nach eigenen Angaben über kein Einkommen und hat Privatschulden in Höhe von 7.500 Euro.
Obwohl die 15-Jährige das Angebot abgelehnt hatte, versuchte der Angeklagte weiterhin, ein persönliches Treffen zu vereinbaren. Vor Gericht gab er an, dass er sich bei ihr entschuldigen wollte.
Schließlich kam es tatsächlich zu einer Begegnung. Allerdings erschien das Mädchen nicht allein. Auch mehrere Männer waren vor Ort, die den 22-Jährigen zusammenschlugen. Durch diesen Vorfall wurde der ursprüngliche Chat überhaupt erst bekannt.
Der Verteidiger des Angeklagten verwies im Prozess auf die erlittenen Schläge. "Er hat seine Strafe quasi schon bekommen, wenn auch nicht vom Staat", argumentierte er laut der "Kronen Zeitung".
Das Gericht sah dennoch keinen Grund, von einer Verurteilung abzusehen. Die Richterin lehnte den Antrag des Verteidigers auf eine diversionelle Erledigung ab.
"Sie sind leider nicht der Einzige, der so was schreibt. Solche sexuellen Übergriffe nehmen zu, deswegen gibt‘s in solchen Fällen bei mir keine Diversion", erklärte Riffel laut "Krone".
Bei der Strafbemessung berücksichtigte sie, dass der 22-Jährige geständig und bisher unbescholten war. Das Urteil: drei Monate bedingte Haft bei einer Probezeit von drei Jahren. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.
Zum Abschluss richtete die Richterin auch deutliche Worte an die 15-Jährige. Denn die Prügelattacke auf den Angeklagten ist ebenfalls Gegenstand von Ermittlungen. Ob es sich bei den beteiligten Männern um Brüder des Mädchens handelte, ist noch ungeklärt.
"Sollten das ihre Brüder gewesen sein: Lassen Sie solche Selbstjustiz-Aktionen bleiben, gehen Sie zur Polizei. Egal, was der Täter gemacht hat, das ist auch keine Lösung", stellte die Richterin laut "Krone" klar.
Damit machte die Vorsitzende deutlich, dass auch ein schwerwiegender Vorwurf keine Rechtfertigung dafür ist, selbst Gewalt auszuüben.