Fast 30 Millionen Euro aus der Stadtkasse für einen Verein, der seit Jahren in der Kritik steht: Die Kindergruppe Abendstern erhielt seit Oktober 2011 laufend Förderungen der Stadt Wien. Aktuell sind es laut VP Wien monatlich 188.905 Euro für die Betreuung von 265 Kindern an vier Standorten.
Bis Anfang März 2026 summierten sich die Zahlungen auf rund 29,6 Millionen Euro. Brisant: Laut Stadtrechnungshof wurde die Verwendung dieser Gelder nur unzureichend kontrolliert. Ob der Verein weiterhin Steuergeld bekommen soll, ist seit Jahren umstritten.
Besonders schwer wiegen drei externe Prüfberichte zwischen 2017 und 2022. Diese deckten massive Missstände auf – wir berichteten. Eine Firma kassierte 71.000 Euro für Bauarbeiten, hatte aber nur eine Gewerbeberechtigung für Teigwaren. Eine andere erhielt 123.000 Euro für Reinigung, wurde aber 2021 gelöscht. Zudem gingen über 200.000 Euro an eine GmbH, deren Geschäftsführer der Obmann des Vereins selbst war. Prüfer sahen darin ein mögliches Umgehungskonstrukt, auch die Vorstandsgehälter lagen deutlich über dem Kollektivvertrag.
„Dieser Verein darf kein weiteres Steuergeld mehr bekommen“Harald ZierfußVP-Klubchef
Schon 2018 wurden gravierende Mängel festgestellt, etwa in der Buchführung und bei sogenannten In-sich-Geschäften. Trotzdem floss weiter Geld. Für 2015 wurden ursprünglich 834.698 Euro zurückgefordert, die Summe wurde jedoch auf 460.000 Euro reduziert. Für den Stadtrechnungshof ist nicht nachvollziehbar, warum die Förderung trotz der massiven Kritik nicht spätestens 2018 gestoppt wurde.
Jetzt melden sich auch ehemalige Mitarbeiter mit neuen Vorwürfen, die derzeit geprüft werden. So soll Mitarbeitern schon bei kleinen Beschwerden mit Anwalt oder der Kündigung gedroht worden sein. Für ÖVP-Klubobmann Harald Zierfuß ist die Sache klar: "Dieser Verein darf kein weiteres Steuergeld mehr bekommen."
Die VP Wien fordert einen sofortigen Förderstopp, die Schließung des Vereins und die Rückzahlung aller unrechtmäßig erhaltenen Gelder. "Während dubiose Kindergartenvereine über Jahre hinweg mutmaßlich Fördergelder missbrauchen, haben die zuständigen Magistratsabteilungen tatenlos zugesehen", so Zierfuß.
Die Stadt Wien sieht das anders. In einer Stellungnahme der zuständigen MA 10 heißt es: "Die in den Jahren 2015 bis 2020 festgestellten Mängel wurden behoben. Die Umsetzung der Auflagen wurde durch die MA 10 sowie durch externe Wirtschaftsprüfungen überprüft und bestätigt."