Ganzer Bezirk ohne Dermatologe

33 Mal ausgeschrieben – kein Arzt will nach Lilienfeld

Der Bezirk Lilienfeld steht weiter ohne Hautarzt da. Eine Kassenstelle wurde inzwischen 33-mal ausgeschrieben – vergeblich.
Aram Ghadimi
31.01.2026, 05:30
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Der Ärzte-Mangel spitzt sich in Österreich weiter zu. In manchen Regionen fehlt es an Fachärzten, so auch in Lilienfeld – im ganzen Bezirk gibt es keinen Hautarzt, weder im Kassen- noch im Wahlarztbereich. Wie die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) schrieben, brachten 33 Ausschreibungsrunden bisher keinen Erfolg.

Konkret bedeutet das: Ein ganzer Landstrich 931,67 Quadratkilometer groß, im Wesentlichen bestehend aus zwei Haupttälern, dem Traisental, und dem Gölsental, muss ohne Dermatologen auskommen. Eine aktuell laufende Ausschreibung endet am 13. Februar. Seitens der ÖGK hofft man bis dahin eine Ärztin oder einen Arzt für die zu besetzende Kassenstelle zu finden.

Sparpolitik und Mangel

Auch im Landesklinikum Lilienfeld existiert keine dermatologische Abteilung. Patientinnen und Patienten müssen daher in umliegende Bezirke wie St. Pölten ausweichen. In Lilienfeld zeigt sich die Auswirkungen jahrelanger Sparpolitik. Bereits Anfang der 2000-Jahre wurde mit der Einführung eines neuen Lehrplans an der MedUni Wien durchexerziert, was heute als normal gilt: Nur ein Bruchteil der Studienanwärter bekommt einen Studienplatz, Aussiebe-Prüfungen sorgen dafür, dass ein großer Teil das Studium hinwirft.

Hinzu kommen unterfinanzierte Kassen, teils steigender Patientendruck für bestehende Ärzte und weitere Einsparungen im System, wie die Schließung von Notarztstandorten oder die Zusammenlegung von Kliniken und Spitälern.

Strukturelle Probleme

Gegenüber der NÖN nannte die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) vor allem strukturelle Probleme im ländlichen Raum als Grund für die schwierige Nachbesetzung: In Niederösterreich sei die Situation in der Dermatologie besonders angespannt. Ein möglicher Faktor: Es gibt im Bundesland nur zwei Spitalsstandorte mit fachärztlichen Ausbildungsplätzen für Haut- und Geschlechtskrankheiten.

Gleichzeitig verweist die ÖGK auf Maßnahmen zur Nachwuchsförderung. Dazu zählen geförderte Studienplätze für Medizinstudierende, die später eine Kassenstelle übernehmen sollen, sowie das Beratungsservice "Meine eigene Praxis". Dieses umfasst unter anderem Webinare, Vorträge, Praxisbesuche und Informationsveranstaltungen für Jungmediziner, etwa an der Karl-Landsteiner-Privatuniversität in Krems.

Vormalige Ärztin führte 50.000 Patientenakten

Besonders bedauerlich findet die Situation auch die vormalig im Bezirk tätig gewesene Hautärztin Gertrud Fumicz. Sie hatte dort jahrzehntelang ordiniert und versorgte am Ende täglich zwischen 80 und 140 Patienten. Insgesamt führte sie in rund 30 Jahren etwa 50.000 Menschen in ihrer Kartei.

Noch während ihrer aktiven Zeit sei es nicht gelungen, eine Nachfolge zu finden – weder für eine Kassen- noch für eine Wahlarztpraxis. Fumicz ist inzwischen in Pension, ihre topmoderne Ordination im Ärztekomplex in Traisen steht weiterhin leer und zum Verkauf.

Kassenstellen wenig attraktiv

Dass Dermatologie bei Studierenden zwar beliebt sei, die Tätigkeit in einer Praxis aber weniger, beobachtet Fumicz seit Jahren. Viele würden Forschung oder eine Spitalslaufbahn bevorzugen. Dabei gebe es mittlerweile Arbeitszeitmodelle, die eine Kombination aus Spitalstätigkeit und eigener Praxis ermöglichen würden.

Für den Bezirk Lilienfeld bleibt vorerst nur das Warten – und die Hoffnung, dass sich doch noch jemand findet, der die dringend benötigte Hautarzt-Stelle übernimmt.

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