"Seit der Gründung im Jahr 2000 in Gars am Kamp hat sich die Fleischerei Kocourek – unter dem renommierten Markennamen "da‘ Waldviertler" – als führendes Unternehmen in der Produktion qualitativ hochwertiger Fleisch- und Wurstspezialitäten etabliert" – so stellt sich das Familienunternehmen in Bezirk Horn auf der eigenen Webseite vor.
Über den Betrieb wurde am Mittwoch am Landesgericht Krems ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Laut dem Gläubigerschutzverband Creditreform erfolgte dies auf Antrag des Unternehmens, das sich nicht mehr in der Lage sieht, seine Außenstände zu begleichen.
Den Gläubigern will man eine Quote von 25 Prozent bieten, die innerhalb von zwei Jahren bezahlt werden soll. Doch ob das tatsächlich möglich ist, entscheidet sich erst. Momentan sind vier Mitarbeiter betroffen. Sie bangen um ihre Jobs.
Laut einem Bericht der Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) soll erst 2020 eine GmbH unter dem Namen "da'Waldviertler" eingetragen worden sein, mit Jürgen Kocourek als Geschäftsführer.
Anfangs habe die Gesellschaft Einzelhandel mit Lebensmitteln betrieben, seit 2024 zusätzlich das Fleischergewerbe. Die "da'Waldviertler Vertriebs GmbH" hat laut Creditreform fast ausschließlich Handel mit den Fleisch- und Wurstprodukten der übergeordneten Kocourek GmbH betrieben. Auch die Mutterfirma befindet sich aktuell in einer finanziellen Schieflage.
Ab diesem Zeitpunkt wird es dubios: "Heute" hatte im September 2021 über einen spektakulären Brand berichtet. 2020 war die Kocourek GmbH mit 4,6 Mio. Euro Schulden und 27 Dienstnehmern in die Insolvenz gerutscht. Um viel Geld baute die Firma ein neues Gebäude, dann fiel die Kühlung aus und Ware um 100.000 Euro verdarb in der Feuersbrunst.
Am 9. Jänner wurde über die Kocourek GmbH erneut ein Konkursverfahren eröffnet. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben laut Creditreform maßgeblich zur Sanierungsbedürftigkeit der "da’Waldviertler Vertriebs GmbH" beigetragen.
2024 habe das Tochterunternehmen versucht, die Probleme der Mutterfirma zu kompensieren, indem es selbst die Herstellung der Wurstwaren der Marke da’Waldviertler übernahm – auch das dürfte nicht aus der Misere führen.
Zur Anzahl der betroffenen Gläubiger liegen derzeit noch keine Angaben vor. Als gesichert gilt jedoch, dass Außenstände rund 350.000 Euro bestehen, denen lediglich Aktiva in der Höhe von circa 94.000 Euro gegenüberstehen.
Die Kocoureks wollen ihr Unternehmen fortführen. Sie wollen sich künftig wieder ausschließlich auf den Verkauf von Fleisch- und Wurstspezialitäten und die daraus erzielbaren Provisionserträge konzentrieren.