Eine Parkplatzabzocke in Wien-Ottakring ließ die Gemüter heißlaufen: Ein Vater hatte im Oktober seinen Sohn beim Sportplatz des SV Dinamo Helfort in der Kendlerstraße aussteigen lassen, ein paar Wochen später flatterte ihm ein Anwaltsbrief ins Haus – wir berichteten. Der Mann sollte 372 Euro zahlen, weil er mutmaßlich ein Privatgrundstück betreten hatte. Angeblicher Grund: Besitzstörung.
Die Wogen gingen hoch, nun reichte es der Stadt Wien. Die Sport Wien (MA 51), Verpächter der Anlage Kendlerstraße 42, griff gemeinsam mit dem Verein ein. Im Auftrag von Sportstadtrat Peter Hacker (SP) wurde eine Lösung ausgearbeitet: Alle laufenden Verfahren werden mit sofortiger Wirkung eingestellt beziehungsweise rückabgewickelt.
Auch organisatorisch wird nachgeschärft. Das Tor zur Einfahrt in die Sportanlage wird geschlossen und künftig nur noch für Einsatzfahrzeuge oder Anlieferdienste geöffnet. Eltern dürfen vor dem Einfahrtstor kurz stehen bleiben, damit Kinder ein- oder aussteigen können. Wer länger bleiben will, soll öffentlich anreisen. Eine Anbindung gibt es über die U3- und S-Bahn-Station Ottakring, günstige Parkmöglichkeiten gibt es in der Park&Ride-Anlage Ottakring.
Die Bundesregierung hatte der Parkplatzabzocke bereits zuvor den Kampf angesagt und das Geschäftsmodell mit einer Gesetzesänderung unattraktiver gemacht. Der Fall in Ottakring zeigt jedoch: Findige Rechtsanwälte und Grundbesitzer suchen offenbar nach neuen Wegen. Zumindest bei dem Sportplatz in der Kendlerstraße ist jetzt Schluss damit – die Verfahren sind eingestellt.