Die Zahl der Neugeborenen ohne österreichische Staatsbürgerschaft steigt rasant – besonders in der Bundeshauptstadt Wien. Laut aktuellen Daten der Statistik Austria hatten im Jahr 2024 rund 40,5 Prozent der Babys keinen österreichischen Pass. Vor 20 Jahren lag dieser Anteil noch bei 20 Prozent.
Besonders deutlich zeigt sich der Trend in den Bezirken Favoriten, Ottakring oder Rudolfsheim-Fünfhaus – dort liegt der Anteil teilweise über 50 Prozent. Die Kinder werden zwar hier geboren, gelten aber rechtlich nicht als Österreicher.
Das hat auch politische Folgen. Denn ohne Staatsbürgerschaft gibt es kein aktives oder passives Wahlrecht. Zwar gibt es die Möglichkeit der Einbürgerung, diese bringt aber viele bürokratische Hürden mit sich und kann oftmals erst zu einem späten Zeitpunkt gemacht werden.
"Man muss sich irgendwann, gerade in Wien die Frage stellen: Wie stark ist eigentlich noch die Legitimation der gewählten Volksvertreterinnen und Volksvertreter, wenn ein immer größer werdender Anteil in manchen Bezirken über 50 Prozent der Bevölkerung im wahlfähigen Alter nicht wahlberechtigt ist?", wird Migrationsforscherin Judith Kohlenberger von der WU Wien von orf.at zitiert.
Deshalb schlägt sie nun vor, dass Kinder von Eltern ohne Staatsbürgerschaft – "die schon eine gewisse Zeitdauer regulär in Österreich aufhältig sind, einer Arbeit nachgehen, Steuern zahlen" – die Staatsbürgerschaft bei der Geburt bekommen.
Doch dafür gibt es aktuell weder beim Bund noch in Wien eine Mehrheit. Das Staatsbürgerschaftsrecht bleibt streng – und so wächst eine Generation heran, die zwar in Österreich lebt, aber politisch außen vor bleibt.