50-Euro-Gutschein für alle, die sich impfen lassen?

Der Wartebereich im Vienna Austria Center.
Der Wartebereich im Vienna Austria Center.Helmut Graf (Symbolbild)
Der Handelsverband fordert einen 50-Euro-Gutschein für alle Personen, die sich gegen das Coronavirus impfen lassen.

Der Handelsverband will die Impfbereitschaft der Bevölkerung fördern und empfiehlt dafür die Vergabe eines Gutscheins im Wert von 50 Euro für jede Corona-Erstimpfung in Österreich. Damit soll auch der Beitrag der Menschen zur Volksgesundheit entsprechend belohnt werden. Wer bereits mindestens eine Corona-Impfung nachweisen kann oder sich noch impfen lässt, soll einen Gutschein erhalten, der bei allen Unternehmen mit Betriebsstätte in Österreich einlösbar ist – egal ob im Handel, bei körpernahen Dienstleistern, in der Gastronomie oder in der Hotellerie.

Wettlauf gegen das Virus mit neuen Lösungen

"Wir müssen in Europa neue Schritte setzen, um den Wettlauf gegen das Virus zu gewinnen. Mittlerweile haben zwar 60 Prozent der impfbaren Bevölkerung in Österreich mindestens eine Corona-Schutzimpfung erhalten und es gibt genügend CoV-Impfstoffe, aber es fehlt mitunter an Impfwilligen. Wenn wir eine hohe Durchimpfungsrate von zumindest 80 Prozent erreichen wollen, braucht es jetzt gezielte Positiv-Anreize. Daher empfehlen wir einen 50 Euro Impf-Gutschein für jede Erstimpfung", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Einige Bundesländer, etwa Niederösterreich, Tirol, Kärnten, das Burgenland und die Steiermark, suchen bereits aktiv nach Menschen, die sich impfen lassen wollen. Die Erfahrung und viele Studien zeigen, dass positive Anreize weit besser funktionieren als negative Anreize oder Strafen.

Die Krisenfestigkeit für den Herbst müssen wir uns jetzt im Sommer hart erarbeiten. Es reicht nicht darauf zu hoffen, dass die altbekannten Maßnahmen eine weitere Infektionswelle verhindern. Das Einzige, das uns auf absehbare Zeit krisenfest machen kann, ist die Impfung. Daher sollten wir all jene, die einen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung leisten wollen, entsprechend belohnen", ist Will überzeugt.

"Das sollte es der Politik wert sein"

Der Vorschlag des Handelsverbandes sieht die einmalige Ausgabe von 50-Euro-Gutscheinen an alle Personen mit Hauptwohnsitz in Österreich vor, die sich erstmalig gegen Corona impfen lassen. Dabei sollen nicht nur künftige Erstimpfungen belohnt werden, sondern nachträglich auch jene, die bereits geimpft wurden. Sollte sich tatsächlich die gesamte impfbare Bevölkerung Österreichs (ab 12 Jahre) – insgesamt 7,9 Mio. Personen – impfen lassen, liegen die Gesamtkosten für die Gutscheine bei 395 Millionen Euro. Wichtig ist, dass hierbei niemand diskriminiert wird, etwa impfwillige Personen, bei denen eine Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist.

"Die Rechnung ist einfach: Jede Lockdown-Woche kostet uns rund 2,5 Milliarden Euro. Die Gutschein-Initiative würde einen wesentlichen Beitrag leisten, um gestärkt in den Herbst zu gehen, und benötigt lediglich ein Sechstel davon, maximal 395 Millionen Euro. Das sollte es der Politik wert sein", so Handelssprecher Rainer Will.

Vorreiter Griechenland

Griechenland hat bereits beschlossen, die Impfbereitschaft der jungen Bevölkerung gezielt zu fördern. Wer sich auf der Balkanhalbinsel impfen lässt, bekommt eine "Freiheitskarte" im Wert von 150 Euro vom Staat geschenkt. Auch andere Länder wie Russland und die USA versuchen, die Bürgerinnen mit kreativen Positiv-Anreizen (Geldgutscheine, Corona-Lotterie, Uni-Stipendien, etc.) von einer Corona-Impfung zu überzeugen.

Nach dem Ministerrat erteilte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) dem Vorschlag eine Abfuhr. Demnach plant die Bundesregierung aktuell keine Art von Belohnung in Form von Gutscheinen oder Ähnlichem, um mehr Menschen zu einer Impfung zu bewegen. "Die beste Motivation ist Aufklärung", stellte Mückstein klar.

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