Diese Zahlen lassen aufhorchen: Ein Lehrer aus dem AHS-/BHS-Bereich in Kärnten hat sich im Vorjahr 50.400,37 Euro brutto an Überstunden auszahlen lassen - zusätzlich zu seinem regulären Gehalt. Damit hat er sein Einkommen beinahe verdoppelt. Das berichtet die Kleine Zeitung.
Dieser Lehrer ist kein Einzelfall. Gleich zehn Pädagogen erhielten jeweils mehr als 40.000 Euro für sogenannte Mehrdienstleistungen, ergab eine Anfrage der Kleinen an die Bildungsdirektion. Auf Platz zwei und drei liegen ebenfalls Lehrer mit 50.075,84 bzw. 45.924,32 Euro extra. Insgesamt mussten im Vorjahr rund 14 Millionen Euro an Überstunden an Kärntens Lehrer ausbezahlt werden.
Besonders brisant: Ein Lehrer leistete laut Daten 676,15 Überstunden in nur einem Jahr. Das entspricht rund 20 zusätzlichen Stunden pro Schulwoche - also etwa zwei extra Arbeitstagen pro Woche. Auch andere Pädagogen kommen auf extreme Werte zwischen 619 und über 500 Überstunden jährlich.
Wie viele Stunden konkret hinter den Auszahlungen stecken, ist unterschiedlich. Denn eine Mehrdienstleistung wird mit 1,3 Prozent des jeweiligen Bruttogehalts abgegolten. Wer länger im Job ist und mehr verdient, bekommt also auch mehr Geld pro Stunde.
Diese Mehrarbeit entsteht, wenn Lehrer ihre reguläre Unterrichtsverpflichtung überschreiten - im alten Dienstrecht sind das 20 Stunden pro Woche, im neuen 24. Die Zuteilung übernimmt die Schulleitung. Zusätzlich gibt es sogenannte Supplierstunden, also kurzfristige Vertretungen, die deutlich schlechter bezahlt sind.
Auffällig ist: Laut Bildungsdirektion betrifft das Problem vor allem AHS und BHS. In Volks- und Mittelschulen spiele es keine Rolle.
Für die Gewerkschaft ist die Ursache klar. Der Lehrermangel zwinge viele Pädagogen zu massiven Mehrleistungen. Auch das neue Dienstrecht stehe in der Kritik.