Es waren neun Minuten, die Wien veränderten. Am 2. November 2020 zog ein bewaffneter IS-Terrorist durch die Wiener Innenstadt, schoss wahllos Menschen nieder. Vier starben, 23 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Sechs Jahre später sitzt der Schock noch immer tief.
Die Opfer sind unvergessen – am Montag, 2. November 2026, findet auch heuer eine Gedenkfeier in der Wiener City statt. Zu Mittag wird am Desider-Friedmann-Platz von hochrangigen politischen Vertretern ein Kranz niedergelegt.
Innenminister Gerhard Karner (VP), Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos), Staatssekretär Jörg Leichtfried (SP), Vizekanzler Andreas Babler (SP), Bundespolizeidirektor Michael Takács, Bürgermeister Michael Ludwig (SP) und Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl gedenken heuer der Opfer des Terroranschlags vom 2. November 2020.
Der Anschlag ereignete sich am letzten Abend vor einem Corona-Lockdown. Tausende Menschen nutzten die Gelegenheit, um in den Lokalen der Wiener Innenstadt auszugehen. Kurz vor 20 Uhr schlug der damals 20-jährige Islamist dann heimtückisch zu.
Vom Desider-Friedmann-Platz aus eröffnete der weiß gekleidete Killer das Feuer in Richtung Fleischmarkt. Bei der Jerusalemstiege wurde ein 21-jähriger Österreicher tödlich getroffen. Anschließend lief der Terrorist durch die Judengasse zum Ruprechtsplatz, schoss auf Gäste mehrerer Lokale. Eine 24-jährige Studentin, die als Kellnerin arbeitete, wurde im Bereich der Salzgasse getötet.
Der Attentäter lief dann in Richtung Seitenstettengasse. Dort befindet sich der Stadttempel, die wichtigste Synagoge Wiens. In diesem Bereich schoss er auf eine 44-jährige Österreicherin. Besonders erschütternd: Der Täter kehrte noch einmal um und feuerte erneut auf die bereits schwer verletzte Frau. Die 44-Jährige verstarb am nächsten Tag im Spital.
Um 20.03 Uhr wurde der Islamist erstmals von Polizisten gesichtet. Es kam zu einem Schusswechsel, doch der Terrorist lief weiter durch die engen Gassen. An der Ecke Rabensteig und Schwedenplatz erschoss der Attentäter einen 39-jährigen Österreicher, der vor einem Asia-Lokal stand. Wenig später feuerte der 20-Jährige in einer Seitengasse beim Franz-Josefs-Kai auf einen 28-jährigen Polizisten. Dieser wurde dabei schwer verletzt.
Schließlich bewegte sich der Täter über den Morzinplatz zurück in Richtung Ruprechtsplatz. Dort gelang es Polizisten der Spezialeinheit WEGA um 20.09 Uhr, den Terroristen mit einem tödlichen Schuss zu stoppen.
Der Anschlag dauerte nur wenige Minuten, doch seine Folgen beschäftigen das Land bis heute. Nach der Terrorattacke wurden erhebliche Versäumnisse beim damaligen Verfassungsschutz und bei der Terrorabwehr bekannt.
Der bereits wegen terroristischer Straftaten verurteilte Attentäter war den Behörden bekannt. Trotzdem wurde die von ihm ausgehende Gefahr nicht rechtzeitig erkannt. Auch Hinweise auf seine Versuche, in der Slowakei Munition zu beschaffen, führten nicht zu einem rechtzeitigen Eingreifen. Dazu kam, dass der Terrorist gleich mehrere Helfer hatte. Drei Verdächtige wurden zu lebenslanger Haft, ein weiterer zu 20 Jahren Haft verurteilt.