Gleich drei Waldbrände nahmen am vergangenen Wochenende die 230.000-Einwohner-Stadt Spokane im US-Bundesstaat Washington in die Zange. Bei Windgeschwindigkeiten von 55 bis 70 km/h sprang eines der Feuer am Samstag über den Spokane River und erreichte das Wohnviertel Riverside Park.
Mit Sonnenaufgang am Sonntag offenbarte sich den schockierten Bewohnern ein Bild der Verwüstung: Rund 640 Häuser waren bis auf die Grundmauern abgebrannt. "Es ist die schlimmste Naturkatastrophe, die die Region je erlebt hat", sagte Spokanes Bürgermeisterin Lisa Brown am Sonntag. Die örtlichen Behörden ermitteln noch, ob es Todesopfer gab. Insgesamt wurden 2.180 Hektar zerstört – eine Fläche, halb so groß wie Wien.
Dichter Rauch lag über der Stadt. Einwohner flohen in langen Autoschlangen. Die Bewohnerin Tena Risley sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie habe Flammen hinter Bäumen in der Nähe ihres Hauses gesehen und Panik bekommen. Sie habe ihren Hund und einige Dinge gepackt und sei mit dem Auto geflohen, der Verkehr habe sich aber gestaut. "Da waren wahrscheinlich hunderte und aberhunderte Autos."
Insgesamt wurden in den vergangenen Tagen rund 60.000 Einwohner evakuiert. Für sie wurde im Kongresszentrum von Spokane eine Notunterkunft eingerichtet. Die Nationalgarde des Bundesstaats erklärte, sie mobilisiere "mit Hochdruck" Einsatzkräfte zur Unterstützung der Stadt.
Für mehrere nördliche Viertel der Stadt war am Samstag die höchste Evakuierungswarnstufe ausgerufen worden, verbunden mit dem Aufruf "Sofort verlassen". Der Gouverneur von Washington, Bob Ferguson, rief angesichts einer der schwersten Waldbrandsaisons seit Beginn der Aufzeichnungen den Notstand aus.
Sheriff John Nowels sagte, bislang seien weder Tote noch Verletzte gemeldet worden. Er warnte aber, angesichts des Ausmaßes der Brände - und weil Überprüfungen während aktiver Feuer schwierig seien - "könnte sich das ändern".
Im gesamten Bundesstaat Washington brannten nach Angaben des Gouverneursbüros 15 Feuer. Washington erlebt das vierte Dürrejahr in Folge - so viele hintereinander wie noch nie.
"Unsere Rekorddürre und die starken Winde schaffen im gesamten Bundesstaat gefährliche Bedingungen", erklärte Gouverneur Ferguson. In Washington wurde der Notstand ausgerufen, bis Ende September sind die meisten offenen Feuer und das Verbrennen landwirtschaftlicher Abfälle untersagt.
Der Nationale Wetterdienst hatte für den Osten Washingtons zuvor wegen der extremen Brandgefahr eine Warnung vor einer "besonders gefährlichen Lage" ausgegeben. "Dieses Jahr gehört schon jetzt zu den arbeitsreichsten Waldbrandjahren seit Beginn der Aufzeichnungen - und der August hat gerade erst begonnen", erklärte der für die öffentlichen Ländereien zuständige Behördenleiter Dave Upthegrove.