63 Euro pro Sekunde: So viel Geld setzen die Österreicher auf Sportwetten. 2026 dürfte der Betrag aufgrund der Fußbal-WM weiter in die Höhe schießen. Für Wettanbieter ist das ein Jackpot. Für viele Familien beginnt damit aber oft ein Drama, erklärt Wett-Experte Ronald Mechtler in "Heute".
Rund zwei Milliarden Euro setzen die Österreicher im Jahr auf Sportereignisse. Im Schnitt landen 22 Euro auf jeder einzelnen Wette. Das ergab eine Studie der Linzer Kepler-Universität. Fußball steht bei den Sportarten klar an der Spitze, weit vor Tennis und Eishockey. Die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko gilt in der Branche als absoluter Umsatz-Turbo.
Rund 300.000 Menschen in Österreich kämpfen laut Experten mit problematischem Glücksspielverhalten – "Heute" berichtete. Besonders gefährdet: Junge Männer – sie wetten online, oft täglich – direkt am Smartphone.
Im Gespräch mit "Heute" erklärt Prozessfinanzierer Ronald Mechtler, Gründer von sportwettenverluste.at, wie schnell aus WM-Spaß ernst wird: Schulden, Streit in der Familie und Jobverlust können rasch schwerwiegende Folgen von spontan begonnenen Wetten sein.
Seit 2021 ist der Prozessfinanzierer in der Branche tätig, vertrat bereits tausende Betroffene. "Manche verlieren ihre Wohnung. Andere ihre Beziehung. Viele geraten in eine Spirale, aus der sie alleine nicht mehr herauskommen", so der Wett-Experte.
Besorgniserregend: Wer einmal in Glücksspielschulden fällt, kommt schwer wieder raus. Die Durchscnittsverschuldung bei Betroffenen liegt laut Studie der Linzer Kepler-Universität nämlich bei 28.000 Euro.
Mit seiner Plattform finanziert Mechtler Prozesse für Menschen, die durch Sportwetten hohe Summen verloren haben. "Bei mir melden sich Menschen, die alles verspielt haben", sagt Mechtler. "Da geht es um 50.000 Euro Schulden – manchmal um eine halbe Million. Wettsucht ist keine Schwäche, sondern eine Krankheit."
Besonders Großereignisse wie eine Fußball-WM seien gefährlich. "Viele wetten erstmals bei einer Weltmeisterschaft", warnt Mechtler. "Andere erhöhen plötzlich massiv ihre Einsätze. Genau dort kippt es oft."
Besonders alarmierend laut dem Juristen: Wer heute ein Match schaut, kommt im Zuge der Übertragungen an Sportwetten kaum noch vorbei. Die Fußball-WM 2026 wird zwar ein riesiges Fußballfest. Für manche könnte sie aber auch der Beginn eines problematischen Suchtverhaltens werden.
Doch wie kann man sich selbst vor hohen Wettverlsten und zwanghaftem Verhalten schützen? Mechtler empfiehlt: "Wer Sportwetten als Unterhaltung und nicht als Einkommensquelle betrachtet, legt den wichtigsten Grundstein für verantwortungsvollen Umgang."
Konkret helfen laut dem Wiener Prozessfinanzierer feste Limits – sowohl für den Einsatz pro Wette als auch für das monatliche Gesamtbudget, die man vor dem Tippen festlegt, nicht im Nachhinein.