Statt eines sorgenfreien Ruhestands bestimmen jetzt Existenzängste den Alltag von Silvia und Wolfgang G. Die Wiener vertrauten nach dem Verkauf ihres Hauses ihr Vermögen einem Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder an. Sie kannten und vertrauten dem Mann seit Jahrzehnten.
Das Geld – es waren 700.000 Euro – sollte die Pflege des Mannes und den Wohnraum in einer Seniorenresidenz finanzieren. Doch daraus wurde nichts, Geld bekommen sie keines mehr.
"Wir mussten bereits in eine kleinere Wohnung ziehen", erzählt Silvia G. "Unser Sohn hilft uns aus, sonst könnten wir unser Leben kaum finanzieren."
Rückblick: Zunächst schien alles nach Plan zu laufen. Zehn Monate lang erhielt das Ehepaar die vereinbarte monatliche Leibrente. Dann blieben die Überweisungen plötzlich aus. Der Steuerberater war insolvent!
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) beschäftigt sich mittlerweile mit dem Fall. Nach Angaben von Silvia G. sollen fast 50 Personen geschädigt worden sein. Ob das Ehepaar sein Erspartes jemals wiedersieht, ist völlig offen.
"Man sagt uns, dass wir vielleicht in drei Jahren rund sieben Prozent zurückbekommen", erzählt Silvia G. "Wir wissen gar nicht, ob wir in unserem Alter das Ende des Falls noch erleben." Für einen langen Gerichtsprozess fehlt den beiden mittlerweile das Geld.
Besonders belastend ist die Situation wegen des Gesundheitszustands ihres Mannes. "Meinem Mann geht es sehr schlecht. Er braucht einen Rollstuhl und kann nicht mehr gehen", sagt Silvia G. Der Pensionist leidet an Morbus Parkinson, hat drei Stents, eine neue Herzklappe sowie mehrere Operationen an der Wirbelsäule und Hüfte hinter sich. "Die Pflege kostet so viel, wir können sie uns nicht mehr leisten."