Es geht um Millionen

"Dann geh ich halt in Häf’n" – Betrugsskandal in Wien

Wirbel um einen Wiener Steuerberater! Er soll Gelder von Kunden in Millionenhöhe hinterzogen haben. Nun ermittelt die WKStA.
Newsdesk Heute
27.02.2026, 15:50
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Dubiose Geschäfte, gefälschte Berichte und ein Schaden in Millionenhöhe: Der brisante Fall um einen angesehenen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sorgt in Wien für Aufregung. In seiner Rolle als Vermögensverwalter soll er Gelder unterschlagen haben. Wie der "ORF Wien" berichtet, geht es um einen Schaden von 6,5 Millionen Euro.

Die Causa rief nun auch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) auf den Plan. Die Behörde ermittelt gegen den Mann wegen des Verdachts des schweren Betrugs und Untreue. Die riesige Finanzblase brachte der Beschuldigte Ende Mai 2025 selbst zum Platzen.

Selbstanzeige bei Polizei

Damals erstattete der Steuerberater Selbstanzeige beim Wiener Landeskriminalamt. Er habe sein "jahrelang aufgebautes Lebenswerk zerstört", soll der Mann gegenüber den Beamten gestanden haben. Das volle Ausmaß der Causa kam allerdings erst jetzt ans Licht.

Konkret soll der Beschuldigte als Vermögensverwalter unterschiedliche Investitionsmodelle betrieben haben. Mit dem Versprechen von lukrativen Renditen legte der Steuerberater etwa Gelder von Kunden zur Veranlagung über ein Sammeldepot bei einer Bank an. Neben vermeintlich "pensionssicheren" Investments hatte er auch Aktien einer dubiosen Gesellschaft mit Sitz auf den Bahamas im Portfolio.

Verluste und Ausreden

Schließlich zerbrach das Konstrukt: Schlechte Portfolio-Entwicklungen führten zu Verlusten. Als er den Kunden die versprochenen Garantiezusagen und die zugesagten Entnahmemöglichkeiten nicht mehr anbieten konnte, wurde der Druck immer größer. Als letzte Lösung habe der Mann im Stile eines Finanzjongleurs damit begonnen, Gelder "umzuschichten".

Das heißt: Der Steuerberater soll nach der Loch-auf-Loch-zu-Methode fällige Auszahlungen mit fremden Geldern getätigt habe. Um seine Kunden hinzuhalten, soll der gegenüber Kunden von Gesetzesänderungen oder Schwierigkeiten mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) gesprochen haben. Auch Corona-Folgen und sogar US-Präsident Donald Trump wurden als Ausreden verwendet.

Zudem soll der Steuerberater einige Kunden vor falsche Tatsachen gestellt haben. So wurden gefälschte Performance-Berichte dazu verwendet, um den Anlegern Gewinne vorzugaukeln. Dadurch konnte er die Kunden davon überzeugen, ihr Geld im Portfolio zu lassen oder gar weitere Zahlungen – auch in bar – zu tätigen.

1,5 Mio. Euro an Verwandte überwiesen

So war es auch bei einer Frau der Fall, die dem Steuerberater "blind" vertraute. Sie habe Bargeld im Wert von 400.000 Euro in eine Kanzlei gebracht. Von dort aus sollte ein Anwalt das Geld in die Schweiz bringen und es einem Banker übergeben, der es dann für sie auf den Bahamas anlegt. Gelockt wurde die Kundin mit einer Rendite von zehn Prozent.

Im April 2025 war dann aber Schluss. Alle Zahlungen wurden eingestellt, nachdem der Steuerberater offenbar auf keine Mittel mehr zurückgreifen konnte. Laut ihrer Aussage gestand der Mann gegenüber einer Kundin, dass ihr Geld weg sei. "Dann geh ich halt in Häf’n", soll der Steuerberater gesagt haben.

Auch dem Beschuldigten selbst soll es laut seiner Aussage nicht gut gehen. Er habe infolge schwerer gesundheitlicher Probleme nicht mehr operativ tätig sein können. Diese Aussage steht jedoch im Widerspruch zu Augenzeugenberichten. Demnach habe der Mann bei den Festspielen Reichenau im letzten Sommer noch einen fitten Eindruck gemacht.

Seitens der WKStA müsse nun auch geklärt werden, ob der Steuerberater vorsätzlich die Interessen einiger Gläubiger geschädigt habe. Denn im Jänner 2025 soll er 1,5 Millionen Euro an Verwandte überwiesen haben, die auch Anleger bei ihm waren. Zu diesem Zeitpunkt habe sich das finanzielle Desaster bereits abgezeichnet.

{title && {title} } red, {title && {title} } 27.02.2026, 15:50
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen