Exklusiver "Heute"-Talk

8 Stunden Todesangst – so überlebte Mazal Hamas-Terror

3 Jahre nach dem Hamas-Terror spricht Mazal Tazazo mit "Heute" über den schlimmsten Tag ihres Lebens – und darüber, was sie Österreich mitgeben will.
Nicolas Kubrak
07.10.2026, 21:14
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Stundenlanger Terror. Ein ewiges Trauma. Am 7. Oktober 2023 drangen Hamas-Terroristen in den Süden Israels ein und töteten knapp 1.200 Menschen – überwiegend Juden. Tausende weitere wurden verletzt, mehr als 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Besonders bedrückend ist die Geschichte des Nova-Festivals bei Re 'im. Tausende junge, liberale Menschen feierten in der Nacht auf den 7. Oktober ein Fest der Musik, des Friedens und der Freiheit. Um 6.30 Uhr verstummte die Musik. Was danach geschah, sollte das Leben der Überlebenden für immer verändern.

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Drei Jahre später sprach "Heute" mit Mazal Tazazo (36), einer Überlebenden des Hamas-Massakers – ausgerechnet an jenem Ort, an dem für sie das Grauen begann. Ihre beiden Freunde Danielle und Yochai wurden ermordet. Sie selbst habe nur "durch ein Wunder" überlebt, erzählt sie im Gespräch.

Der "Heute"-Talk mit der Hamas-Überlebenden in voller Länge

"Heute": Mazal, was hat Sie dazu bewegt, zum Nova-Festival zu gehen?

Mazal Tazazo: Ich gehe auf Festivals, seit ich 15 Jahre alt bin. Sie waren für mich immer ein Rückzugsort – ein Ort, an dem man einfach man selbst sein, sich frei und sicher fühlen konnte. Nova war für mich besonders spannend, weil es eine sehr große Produktion war. Veranstaltungen in dieser Größenordnung gibt es in Israel normalerweise nicht.

Wann genau haben Sie realisiert, dass etwas nicht stimmt?

Der Moment, in dem ich wirklich begriffen habe, dass etwas nicht stimmt, war, als wir beschlossen, das Auto zurückzulassen und in Richtung Straße zu laufen. Da wurde mir klar, dass ich von Terroristen umgeben war.

Wie haben Sie es geschafft, sich in Sicherheit zu bringen?

Durch ein Wunder. Ich war ungefähr acht Stunden lang in dem Gebiet, in dem das Massaker stattfand. Nachdem ich verletzt worden war und meine Freunde ermordet worden waren, setzten die Terroristen die Büsche in Brand, in denen wir uns befanden. Als das Feuer immer näher kam, hatte ich keine andere Wahl, als in Richtung Straße zu laufen. Wie durch ein Wunder wurde ich nicht erschossen.

Am Nova-Gelände wurde für jedes Opfer Schilder, Blumen und Fotos aufgestellt. Bis in die Morgenstunden des 7. Oktober 2023 pulsierte dieser Ort vor Leben.
Heute

Ich fand ein verlassenes Auto und versteckte mich ungefähr zwei Stunden lang darin. Schließlich fand mich ein anderer Überlebender, der sich noch in der Gegend befand. Er half mir aus dem Auto und brachte mich an einen sicheren Ort.

Wie sieht heute ein gewöhnlicher Tag für Sie aus?

Heute dreht sich mein Leben um Nova. Ich führe Besucher durch das Nova-Gelände bei Re’im, treffe Gruppen und Delegationen und gebe Interviews oder führe Zoom-Gespräche. Fast alles in meinem Leben dreht sich um diesen einen Tag.

Hat sich Ihr Verhältnis zu Musik oder Festivals verändert?

Leider sehr. Ich gehe heute nicht mehr auf Partys, und ich vermisse das sehr. Ich hoffe, dass ich mit der Zeit dieses Gefühl von Freiheit wieder erleben kann.

Mazal trauert um ihre ermordeten Freunde, Danielle und Yochai.
Heute

Was hat Ihnen am meisten geholfen – und welche Unterstützung brauchen Sie heute noch?

Am meisten geholfen hat mir mein Sohn. Die Tatsache, dass er mich brauchte, hat mich dazu gezwungen, jeden Morgen aufzustehen und zu funktionieren. Ohne ihn glaube ich nicht, dass ich die ersten sechs Monate überstanden hätte.

Wie fühlen Sie sich an dem Tag, an dem sich der dritte Jahrestag nähert?

Es ist sehr schwer. Ich merke, dass die Zeit weiter vergeht, aber ich habe immer noch das Gefühl, im Überlebensmodus zu sein. Ich weiß nicht, ob ich jemals wirklich verarbeiten können werde, was an diesem schrecklichen Tag passiert ist. Manchmal fühlt es sich an, als wäre ich in einer Endlosschleife gefangen.

Wenn der Jahrestag vorbei ist und die Schlagzeilen sich anderen Themen zuwenden – woran sollen sich die Menschen erinnern?

Ich möchte, dass die Menschen sich daran erinnern, dass wir für das Recht von uns allen kämpfen, in Sicherheit leben zu können. Terrorismus breitet sich auf der ganzen Welt aus. Wenn die Menschen ihm weiterhin gleichgültig gegenüberstehen, wird er irgendwann auch ihre eigenen Häuser erreichen. Ich möchte daran glauben, dass die Welt aufwacht, bevor noch mehr Menschen ihr Leben verlieren.

Welche Reaktionen erleben Sie, wenn Sie Ihre Geschichte Menschen außerhalb Israels erzählen?

Die meisten Reaktionen, die ich bekomme, sind herzlich, unterstützend und mitfühlend. Aber es gibt auch Menschen, die nicht einmal bereit sind zuzuhören. Selbst wenn ich versuche zu erklären, dass ich einfach als Mensch spreche, der auf ein Musikfestival gegangen ist und beinahe ermordet wurde, schreien mich manche Menschen an und nennen mich eine "Kindermörderin". Es gibt eine enorme Kluft, und die Reaktionen können extrem polarisiert sein.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Menschen begegnen, die das Geschehen vom 7. Oktober leugnen oder verharmlosen?

Es macht mich sehr traurig, diese Weigerung zuzuhören zu erleben, denn diese Menschen verstehen nicht, dass auch sie gefährdet sind. Ich verstehe, dass es schwer sein kann zu glauben, dass derart schreckliche Dinge tatsächlich passiert sind. Aber sie sind passiert. Und wir dürfen sie nicht ignorieren, wenn wir in einer freien Welt leben wollen.

Was möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern in Österreich sagen?

Ich möchte, dass die Menschen wissen, dass Israel ein Ort der Liebe ist, ein Ort, der Menschen willkommen heißt – unabhängig von ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung. Die Menschen haben gleiche Rechte, und wir müssen aufhören, die falsche Behauptung zu verbreiten, Israel sei ein Apartheidstaat.

Wir sind ein Land, das Frieden will. Und vor allem möchte ich einfach Danke sagen – danke dafür, dass Sie meine Geschichte anhören und bereit sind, uns zuzuhören.

nico,Akt. 07.10.2026, 22:37, 07.10.2026, 21:14