Wofür geben Menschen Geld aus, obwohl sie eigentlich darauf verzichten könnten? Diese Frage stellte ein Nutzer im Subreddit r/Finanzen und löste damit eine lange Diskussion aus. Dabei ging es ausdrücklich nicht um den einzelnen Kaffee oder die Schokolade an der Tankstelle, sondern um Ausgaben, die sich über Monate und Jahre zu großen Summen addieren. Als Beispiele nannte der Verfasser unter anderem ständig neue Handys, teure Autos auf Finanzierung, häufiges Bestellen von Essen, unnötige Versicherungen, ungenutzte Abos, Markenklamotten und teure Hochzeiten.
Gleichzeitig räumte er ein, dass Geldverschwendung sehr subjektiv sei. Wer 50.000 Euro für ein Auto für absurd hält, könne schließlich problemlos dreimal im Jahr auf Urlaub fliegen. Genau diese unterschiedliche Sichtweise zieht sich durch die Kommentare. Einen eindeutigen Spitzenreiter gibt es nicht. Dafür tauchen einige Ausgaben immer wieder auf. Besonders häufig geht es um Kleidung. Mehrere Nutzer kritisieren, dass viele Menschen ständig neue Sachen kaufen, obwohl der Kleiderschrank längst voll ist. Einer verweist darauf, dass Kleidung häufig kaum noch etwas wert sei, sobald sie getragen wurde.
Ein anderer berichtet, er habe sich vorgenommen, ein Jahr lang ausschließlich Second-Hand-Kleidung zu kaufen – und habe seitdem deutlich weniger Geld ausgegeben. In der Diskussion wird auch über die Menge gesprochen. Ein Nutzer verweist auf eine Zahl von durchschnittlich 60 Kleidungsstücken pro Person und Jahr in Deutschland. Andere halten diese Zahl für extrem und berichten, selbst nur wenige Kleidungsstücke pro Jahr neu zu kaufen. Ein Nutzer schreibt sogar, er habe erst kürzlich Jeans gekauft, die hoffentlich wieder zehn Jahre halten.
Noch heftiger fällt die Kritik an teuren Autos aus. Für einige Nutzer ist es kaum nachvollziehbar, warum Menschen jahrelang hohe Leasing- oder Finanzierungsraten bezahlen, obwohl ein deutlich günstigeres Fahrzeug denselben Zweck erfüllen würde. Ein Kommentator beschreibt es besonders drastisch: Manche würden fünf bis acht Jahre ein teures Auto abbezahlen, es danach für einen Bruchteil des ursprünglichen Wertes verkaufen und anschließend direkt das nächste finanzieren. Am Ende des Lebens seien dann mehrere Fahrzeuge bezahlt, ohne dass eines davon langfristig auf dem Hof stehe.
Auch Neuwagen werden mehrfach genannt. Einige Nutzer halten einen guten Gebrauchten oder einen Jahreswagen für die vernünftigere Variante. Andere sehen das differenzierter. Ein älteres Auto könne irgendwann so hohe Reparaturkosten verursachen, dass ein jüngerer Gebrauchtwagen wirtschaftlich sinnvoller werde. Damit zeigt sich auch ein wichtiger Punkt der Diskussion: Nicht jede Ausgabe lässt sich pauschal als Verschwendung bezeichnen. Ein Auto kann notwendig sein. Ein neues Fahrzeug kann sinnvoll sein. Entscheidend sind für die Reddit-Nutzer vor allem Preis, Nutzung und die eigene finanzielle Situation.
Ein weiterer Dauerbrenner ist das Rauchen. Mehrere Nutzer nennen Zigaretten als eine der offensichtlichsten Formen von Geldverschwendung. Einer berichtet, dass er selbst 20 Jahre geraucht habe und inzwischen seit sechs Monaten rauchfrei sei. In den Kommentaren wird vorgerechnet, wie schnell sich die Kosten summieren können. Ein Nutzer kommt bei einer Schachtel pro Tag auf mehr als 300 Euro im Monat und fast 4.000 Euro im Jahr. Dazu kommen die gesundheitlichen Folgen und die Abhängigkeit.
Gleichzeitig zeigt die Diskussion, warum sich solche Ausgaben nicht einfach mit dem Hinweis auf die Kosten erklären lassen. Ein ehemaliger Raucher beschreibt, dass Raucherpausen auch soziale Kontakte und feste Abläufe im Alltag geschaffen hätten. Gerade deshalb sei der Ausstieg für ihn nicht nur eine finanzielle Entscheidung gewesen. Auch Streaming- und andere Abos stehen auf der Liste. Ein Nutzer beschreibt, wie schnell sich mehrere Dienste ansammeln können: Netflix, Magenta, RTL+, WOW, Prime sowie Sportangebote wie Sky oder DAZN. Einzelne Beträge wirken überschaubar, gemeinsam können daraus aber erhebliche monatliche Fixkosten werden.
Ein anderer Nutzer schreibt, seine größte Geldverschwendung sei, Dinge nicht selbst zu machen. Das beginne beim Essen und reiche bis zum Reifenwechsel. Direkt danach nennt er überteuerte Abos. Die gleiche Kritik richtet sich gegen alte Verträge, die kaum noch genutzt werden. Ein Nutzer berichtet etwa, dass ihm erst nach einem Umzug aufgefallen sei, dass er jahrelang für lineares Fernsehen bezahlt hatte, obwohl er es gar nicht vermisste. Nach der Kündigung habe er den Vertrag nicht mehr vermisst.
Interessant ist, dass sich die Diskussion trotz der ursprünglichen Einschränkung auch um kleine regelmäßige Ausgaben dreht. Ein Nutzer argumentiert, dass gerade Kaffee, Einkäufe an der Tankstelle oder Snacks langfristig teurer werden können als ein gelegentlich gekauftes neues Smartphone. Er nennt Starbucks, Coffee-to-go und Einkäufe an Tankstellen oder Kiosken als Beispiele. Das Problem sei nicht der einzelne Kauf, sondern die Gewohnheit. Ein anderer Nutzer berichtet, er habe seinen täglichen Starbucks-Kaffee gestrichen und trinke stattdessen kostenlosen Tee im Büro.
Damit verschiebt sich die Debatte von der Frage "Was ist teuer?" zu einer anderen Frage: Welche Ausgaben bemerkt man kaum, weil sie regelmäßig und automatisch erfolgen? Auch größere Anschaffungen werden diskutiert. Besonders das Wohnmobil bekommt sein Fett weg. Mehrere Nutzer fragen sich, warum Menschen 60.000 Euro oder mehr für ein Fahrzeug ausgeben, das anschließend einen großen Teil des Jahres herumsteht. Die Gegenposition lautet: Wer tatsächlich monatelang damit unterwegs ist, kann einen solchen Kauf durchaus rechtfertigen.
Für Menschen, die nur wenige Wochen im Jahr verreisen, sei Mieten aber möglicherweise sinnvoller. Dazu kommen laufende Kosten für Versicherung, Wartung, Kraftstoff und Stellplätze. Ähnlich kontrovers wird über Küchen diskutiert. Ein Nutzer hält Ausgaben von mehr als 30.000 Euro für eine Küche für völlig überzogen und verweist auf deutlich günstigere Alternativen. Andere widersprechen und berichten, dass selbst eine Ikea-Küche je nach Größe und Ausstattung deutlich mehr als die häufig genannten 3.000 Euro kosten könne.
Bei einem Thema herrscht im Subreddit dagegen erstaunlich viel Einigkeit: Hochzeiten werden häufig als besonders großer Kostenfaktor genannt. Mehrere Nutzer kritisieren Hochzeiten im Bereich von mehreren zehntausend Euro. Besonders problematisch finden sie es, wenn sich Paare für einen einzigen Tag verschulden. Auch teure Feiern von Freunden werden genannt, wenn dafür Reisen ins Ausland, Übernachtungen und Junggesellenabschiede dazukommen. Andere sehen das weniger streng. Wer sich eine große Feier leisten könne und sie als wichtig empfinde, müsse sich dafür schließlich nicht rechtfertigen.
Damit landet die Diskussion wieder bei der ursprünglichen Frage des Beitrags: Ob etwas Geldverschwendung ist, hängt auch davon ab, welchen Wert man persönlich darin sieht. Eine überraschende Antwort betrifft das Pendeln. Einige Nutzer sehen darin einen gewaltigen Kostenfaktor, weil nicht nur Sprit oder Zugtickets bezahlt werden, sondern auch Lebenszeit verloren geht. Ein Nutzer berichtet von einer täglichen Fahrtzeit von rund zwei Stunden. Ein anderer hatte zeitweise 600 Kilometer pro Woche zurückgelegt und bezeichnete das im Nachhinein als wirtschaftlich kaum sinnvoll.
Andere widersprechen. Wer durch das Pendeln deutlich mehr verdient, bessere Arbeitsbedingungen oder mehr Urlaub bekommt, könne die zusätzliche Zeit durchaus in Kauf nehmen. Auch die Art der Strecke spiele eine Rolle. Wer im Zug sitzt und währenddessen lesen oder arbeiten kann, erlebt die Fahrt anders als jemand, der täglich im Stau steht. Am Ende zeigt die Reddit-Diskussion vor allem eines: Es gibt keine universelle Liste der Dinge, für die Menschen zu viel Geld ausgeben. Für den einen ist das neue Auto unnötig, für den anderen der Urlaub. Manche sparen bei Kleidung, geben dafür aber gerne Geld für gutes Essen aus.
Auffällig ist allerdings, dass sich bestimmte Muster wiederholen. Teure Autos, ständig neue Kleidung, Rauchen, Abos, häufiges Essen außer Haus und große Feiern werden besonders oft genannt. Auch Bequemlichkeit spielt eine Rolle: Wer regelmäßig bestellt, fährt, kauft oder Verträge verlängert, ohne die Kosten neu zu hinterfragen, kann über die Jahre erhebliche Summen ausgeben. Ein Nutzer bringt das Grundproblem auf den Punkt. Nicht eine einzelne Ausgabe sei schlimm, sondern wenn Menschen mehrere solcher Gewohnheiten gleichzeitig hätten und sich anschließend wunderten, warum am Monatsende kaum Geld übrig bleibt.