Es geht um viel Geld, viel Beton und die Zukunft eines ganzen Stadtteils. Im 9. Bezirk soll mit dem "Campus Althangrund" der größte Universitätscampus Österreichs entstehen – ein Prestigeprojekt für die nächsten Jahrzehnte. Doch noch bevor entschieden ist, wie gebaut wird, droht bereits der Abriss – so lautet zumindest die Sorge der "Allianz Alte WU".
Bei einer Pressekonferenz am Dienstag fordert die Initiative: Ohne Freigabe des rund 1 Milliarde Euro schweren Projekts durch das Finanzministerium und ohne Ergebnis des laufenden Architekturwettbewerbs dürfe es keinen Abriss geben. Trotzdem sollen bereits Entkernungsmaßnahmen vorbereitet werden, Zwischennutzungen wurden gekündigt – Kultur-, Sozial- und Kunstinitiativen müssen weichen.
Es geht um eines der größten Bildungsbauprojekte des Landes: Auf rund 80.000 Quadratmetern sollen künftig zwei Universitäten und zwei Bundesschulen Platz finden, insgesamt rund 20.000 Menschen lernen und arbeiten. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) hat dafür einen EU-weiten Architekturwettbewerb gestartet, die Fertigstellung ist frühestens für 2032 geplant.
Kritisch sehen die Initiativen vor allem einen frühen Rückbau. Denn noch ist weder klar, wie viel vom bestehenden Gebäudekomplex erhalten bleibt, noch ob die Finanzierung tatsächlich steht. Die Angst: Statt eines lebendigen Campus bleibt jahrelang ein halbfertiges Beton-Gerippe zurück.
Der Verfall dürfte längst begonnen haben. So lässt sich eigentlich "gar nicht von einer Zwischennutzung sprechen, sondern eher von einer Nachnutzung. Die Substanz verfällt vor unseren Augen", berichtet Mena Huber von der Initiative "4lthangrund für Alle". Schuld seien vor allem kurze, befristete Verträge: "Alle drei Jahre wieder in unterschiedliche Richtungen umziehen zu müssen, verhindert das Weiterwachsen und Verfestigen von selbstorganisierten Strukturen."
Dabei ist die Alte WU keineswegs ein marodes Jahrhundertbauwerk. Der Gebäudekomplex wurde in den 1970er-Jahren über den Gleisen des Franz-Josefs-Bahnhofs errichtet, die Wirtschaftsuniversität war erst 1982 fertiggestellt und zog 2013 in den Prater. Seither wird das Areal intensiv genutzt.
Seitens der BIG kann man die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. Man sei mit den Vertretern der "Allianz Alte WU" und diversen Initiativen seit Jahren im Gespräch, heißt es. "Wir müssen natürlich den Architekturwettbewerb und die Freigabe durch die Ministerien abwarten. Davor kann und wird nicht mit einem Abbruch begonnen", teilt man gegenüber "Heute" mit.
Derzeit läuft am Areal eine sehr aufwändige Schadstoffsanierung. "Das ist nicht mit einem Abbruch zu verwechseln, auch wenn vielleicht Bautätigkeit wahrnehmbar ist", teilt die BIG mit. Im Februar soll es eine Jurysitzung geben. Stufe 2 des Wettbewerbs – und damit der gesamte Campuswettbewerb – wird anschließend starten. Nach Ende des Wettbewerbs wird der Wettbewerbssieger und sein Projekt vorgestellt.
Für die "Allianz Alte WU" steht fest: Abriss und Neubau sind weder ökologisch noch sozial zeitgemäß. "Dieser Campus könnte ein österreichisches Pionierprojekt für Klimaschutz durch Weiterbauen, für einen lebendigen Stadtbaustein und für die echte Transformation des Bestandes werden. Wien könnte wieder mal Architekturgeschichte schreiben", ist Bettina Doser von "Architects for Future" überzeugt.
Die BIG betont, dass der Erhalt des Bestands grundsätzlich ein zentrales Anliegen sei. Welche Gebäudeteile tatsächlich rückgebaut und welche erhalten werden können, wird erst im Rahmen des Architekturwettbewerbs entschieden. Vorgeschrieben ist dabei, dass zumindest 40 Prozent der bestehenden Bausubstanz erhalten bleiben müssen.