Die EU-Kommission soll in den kommenden Wochen in Brüssel Gespräche mit Vertretern der radikalislamischen Taliban über Abschiebungen nach Afghanistan planen. Das berichtete heute die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf diplomatische Kreise.
Die Taliban-Delegation werde ein "technisches" Team sein, hieß es weiter. Der Besuch, der von der EU-Kommission und mehreren Mitgliedstaaten koordiniert werde, folgt laut AFP auf zwei Reisen europäischer Vertreter nach Afghanistan zu Sondierungen über mögliche Abschiebungen von Afghaninnen und Afghanen aus der EU in ihr Heimatland.
Europäische Vertreter sammelten nun "Informationen über Flüge, über die Kapazität des Flughafens in Kabul, sie sprechen mit den Taliban darüber, was mit den zurückgeschickten Personen passieren würde", berichtete die AFP. Die EU-Kommission hat den Taliban-Behörden bisher keine offizielle Einladung geschickt.
Die geplanten Abschiebungen haben zahlreiche Bedenken ausgelöst. Menschenrechtsorganisationen zufolge steckt Afghanistan mitten in einer humanitären Krise, verschärft durch Dürre und drastische Kürzungen bei der Auslandshilfe. Die Taliban haben die Rechte von Frauen extrem eingeschränkt. Zudem erkennt die EU die Taliban-Behörden nicht offiziell an.
Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die radikalislamischen Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan zurückerobert und ein sogenanntes islamisches Emirat ausgerufen. Seither setzen sie ihre strenge Auslegung des Islam mit drakonischen Gesetzen durch.