Wer derzeit an der kroatischen Küste Urlaub macht, bekommt Hochsommer statt Herbstbeginn. Nicht nur an Land werden außergewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Auch die Adria ist für Anfang September ungewöhnlich warm und stellt neue Rekorde auf.
Am 1. September wurden in Šibenik 36,5 Grad gemessen. Damit wurde der erst 2024 aufgestellte bisherige Rekord von 35,7 Grad übertroffen. Auch Zadar meldete mit 35,2 Grad einen neuen Spitzenwert. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2020 wurde damit um 1,1 Grad überboten, berichtet die "Kleine Zeitung".
Für Freitag galt entlang der kroatischen Küste weiterhin eine Hitzewarnung. Auch am Wochenende bleibt es heiß. Der kroatische Wetterdienst DHMZ prognostiziert: "Die Tiefsttemperaturen liegen an der Küste und auf den Inseln zwischen 21 und 26 Grad. Die Höchsttemperaturen erreichen 30 bis 35 Grad."
Nach den aktuellen Modellen könnten Temperaturen über 30 Grad an der Küste zumindest bis einschließlich Mittwoch anhalten.
"Absolut ungewöhnlich" sei auch die Entwicklung der Wassertemperaturen. Normalerweise erwärmt sich die Adria im September wegen des niedrigeren Sonnenstands sowie längerer und kühlerer Nächte nicht mehr weiter. Heuer sieht es anders aus.
Vor Split wurden am Vormittag des 1. September 27,4 Grad gemessen. Damit wurde der elf Jahre alte Rekord aus dem Jahr 2015 zunächst um 0,1 Grad übertroffen.
Doch dieser neue Spitzenwert hielt nur wenige Stunden. Um 14 Uhr wurden vor Split bereits 28 Grad gemessen. Noch wärmer war das Meer vor Komiža. Dort erreichte die Adria 28,2 Grad. Der bisherige Septemberrekord an dieser Messstation lag bei 27,3 Grad und stammte aus dem Jahr 2014.
Eine schnelle Abkühlung ist vorerst nicht zu erwarten. Laut Gerhard Hohenwarter von GeoSphere Austria reagieren große Wassermassen nur langsam auf Veränderungen. Im Durchschnitt verliert die Adria im September rund fünf Grad, heißt es im Bericht der Tageszeitung.
Damit könnten bis Mitte Oktober noch Wassertemperaturen zwischen 20 und 23 Grad möglich sein. Gewitter und kräftige Stürme können die Abkühlung beschleunigen, weil dadurch kühleres Tiefenwasser mit dem warmen Wasser an der Oberfläche vermischt wird.
Ab der zweiten Septemberhälfte rechnen Meteorologen mit solchen Stürmen. Das stark aufgeheizte Mittelmeer und die Adria bieten viel Energie, wodurch das Potenzial für heftige Unwetter an den Küsten groß ist.
Dass daraus automatisch mehr Starkregen und Unwetter in Kärnten entstehen, sieht Hohenwarter allerdings nicht als ausgemacht.
"Solche Mittelmeer- und Italientiefs müssen es erst über die Karawanken zu uns schaffen. Dabei spielen sehr viele Faktoren mit, wie wir auch in diesem Jahr gesehen haben. Wir haben seit Monaten eine anhaltende Trockenheit mit wenig Niederschlag, kaum ein Italientief kam bis zu uns. Im Wettergeschehen über dem Mittelmeer oder der Adria machen wenige Kilometer schon den Unterschied, ob es Einfluss auf unser Wetter hat", erklärt der Meteorologe gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Vorerst bleibt die Adria jedenfalls außergewöhnlich warm. Bis mindestens Mittwoch ist nach der aktuellen Prognose keine nennenswerte Abkühlung in Sicht.