Floridsdorf, minus 4 Grad in der Früh im Winter. Erwin Tóth Isaszegi steht an der Station Brünner Straße – mit gebrochenem Bein. Sein Ziel: ein wichtiger Termin im Krankenhaus. Doch drei Straßenbahnen fahren vorbei – alle nicht barrierefrei.
"Ich konnte einfach nicht einsteigen", erzählt der Floridsdorfer und grüne Bezirksrat. Die alten Hochflur-Garnituren vom Typ E2 machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Besonders betroffen: die Linien 30 und 31, die in Floridsdorf noch immer häufig mit den alten "Bims" unterwegs sind.
Der Bezirksrat ist mit seinem Ärger nicht allein. "Ich habe zahlreiche Rückmeldungen von Bewohnerinnen und Bewohnern bekommen, die sich darüber beschweren, dass oft über längere Zeit keine einzige Niederflur-Straßenbahn kommt", sagt er.
Für Isaszegi ist klar: Es liegt nicht am Mangel an neuen Fahrzeugen. "Das Problem ist nicht, dass es zu wenige neue Straßenbahnen gibt – das Problem ist die Verteilung", kritisiert er. Während viele Linien im innerstädtischen Bereich ausschließlich mit modernen ULF- oder Flexity-Garnituren fahren, würden im 21. und 22. Bezirk die alten E2-Modelle "auf ihre letzten Jahre geschickt". Sein Fazit: "Transdanubien ist wieder das Stiefkind Wiens."
Warum werden im 21. Bezirk nicht mehr moderen Straßenbahnen eingesetzt? Der Floridsdorfer Bezirksrat vermutet folgende Gründe: Die neueren Modelle (ULF) gelten als reparaturanfällig und fallen öfter aus. Außerdem belasten sie alte Gleise stärker, weshalb auf sanierungsbedürftigen Strecken lieber Hochflurfahrzeuge eingesetzt werden.
Die Grünen Floridsdorf lassen nicht locker. Bereits mehrfach wurden Anfragen in der Bezirksvertretung eingebracht, die nächste folgt noch im Februar.
Auf Anfrage betonen die Wiener Linien, dass der Fuhrpark laufend modernisiert werde – mit dem Flexity bei der Straßenbahn und dem X-Wagen bei der U-Bahn. Alte Fahrzeuge würden schrittweise ersetzt. Allerdings müssten Bahnhöfe für neue Fahrzeuge umgebaut werden – das sei nicht überall gleichzeitig möglich. In Favoriten, aber auch an den Bahnhöfen Kagran und Floridsdorf, liefen diese Arbeiten noch.
Der Anteil der alten E2-Modelle liege im Norden und Süden Wiens bei rund 15 Prozent, im Westen und im Zentrum kämen sie gar nicht mehr zum Einsatz – dort seien die Bahnhöfe bereits umgerüstet. Einen fixen Termin für die vollständige Ausmusterung der E2 gebe es derzeit nicht.
Zur Kritik an der Verteilung heißt es von den Wiener Linien, man achte "im Sinne der Barrierefreiheit" auf eine gleichmäßige Verteilung der Fahrzeugtypen. Durch Störungen könne es aber vorkommen, dass mehrere Hochflur-Garnituren hintereinanderfahren.