Eine Frau in Kroatien muss mit schweren gesundheitlichen Folgen leben – wegen einer Krebsdiagnose, die sich später als falsch herausstellte. Bei einer Operation wurden ihr gleich mehrere Organe entfernt. Nun beschäftigt der Fall die Justiz, wie "Jutarnji list" berichtet.
Alles begann Ende 2023 mit Bauchschmerzen. Der Ehemann der Patientin, selbst Chirurg in einem Krankenhaus in Zagreb, bat eine Kollegin, seine Frau zu untersuchen. Die Ärztin diagnostizierte Krebs. Daraufhin wurden der Frau der Magen, die Gallenblase, der Blinddarm und mehrere Lymphknoten entfernt.
Nach dem Eingriff folgte der Schock: Die Patientin hatte überhaupt keinen Krebs. Weitere Untersuchungen zeigten lediglich einen gutartigen neuroendokrinen Tumor, der eine derart umfangreiche Operation nicht notwendig gemacht hätte.
Die Folgen sind dramatisch. Die Kroatin leidet bis heute unter schweren körperlichen und psychischen Beschwerden und ist mittlerweile zu 80 Prozent invalid.
"Nach der Operation litt ich unter unerträglichen Schmerzen. Ein Teil meines Magens wurde daraufhin zur Untersuchung eingeschickt, doch es wurde kein Krebs gefunden. Es stellte sich heraus, dass ich nie Krebs hatte. Ich hatte lediglich eine kleine, gutartige Wucherung, die man symptomatisch hätte behandeln können. Eine Operation war nicht notwendig", erzählte sie gegenüber der kroatischen Zeitung.
Besonders schwer wiegt die Schilderung der Frau, wonach der Chirurg während des Eingriffs nichts Verdächtiges entdeckt habe. Trotzdem setzte er die Operation fort. Laut dem kroatischen Nachrichtenportal bestätigte der Mediziner diese Darstellung. Er habe sich bei seiner Entscheidung auf die Befunde seiner Kollegen gestützt.
Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Anklage gegen die Ärztin wegen fahrlässiger Herbeiführung besonders schwerer Körperverletzungen erhoben und fordert ein Jahr Haft.
Die Beschuldigte argumentiert, dass zum Zeitpunkt des Eingriffs noch nicht alle Untersuchungsergebnisse vorgelegen seien. Die Operateure hätten weitere Befunde abwarten und zunächst nur kleinere Eingriffe vornehmen sollen. Zudem habe ein Gastroenterologe die umfangreiche Operation für notwendig gehalten.
Ein Prozesstermin steht noch aus. Für die Ärztin gilt die Unschuldsvermutung.