Nach dem Wahlsonntag beginnt in Sachsen-Anhalt das große Rechnen. Die AfD liegt mit knapp 44 Prozent klar vor allen anderen Parteien, zur absoluten Mehrheit fehlen ihr jedoch drei Sitze. Damit ist zwar der Wahlsieger eindeutig – wer künftig das Bundesland mit mehr als zwei Millionen Einwohnern regiert, dagegen völlig offen.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund macht trotz der fehlenden Mehrheit deutlich, dass er Ministerpräsident werden will. Er wäre damit der erste AfD-Regierungschef eines deutschen Bundeslandes. Dafür müsste seine Partei allerdings Unterstützung bekommen. Genau das dürfte schwierig werden: Die anderen Parteien im Landtag hatten eine Koalition mit der AfD vor der Wahl ausgeschlossen.
Wollen die übrigen Parteien eine Regierung ohne die AfD bilden, müssten gleich fünf politische Kräfte zusammenfinden: CDU, SPD, Grüne, Linke und BSW. Eine solche Zusammenarbeit wäre nicht nur ungewöhnlich, sondern aufgrund der unterschiedlichen Positionen auch kompliziert.
Zusätzlich steht ein Beschluss der CDU im Weg. Die Partei schließt sowohl mit der AfD als auch mit der Linken eine Koalition oder koalitionsähnliche Zusammenarbeit aus. Die Linke wiederum wäre grundsätzlich zu einer informellen Unterstützung bereit, knüpft diese aber an inhaltliche Zugeständnisse.
Damit rückt das BSW in den Mittelpunkt. Das Bündnis Sahra Wagenknecht schaffte mit 5,3 Prozent nur knapp den Sprung in den Landtag, könnte bei der Regierungsbildung nun aber entscheidend werden. Im Raum steht neben einer Zusammenarbeit von BSW, CDU, SPD, Grünen und Linken auch eine Minderheitsregierung. Diese könnte vom BSW geduldet werden und für einzelne Entscheidungen nach wechselnden Mehrheiten suchen.
Für AfD-Spitzenkandidat Siegmund wäre eine solche Lösung offenbar nur eine Notvariante. Er erklärte: "Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent."
Eine besonders schwere Niederlage setzte es unterdessen für die CDU. Sie kam nur noch auf 17,2 Prozent, nachdem sie zuvor bei 37,1 Prozent gelegen hatte. Für die Partei ist es das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Rund um die CDU gibt es zudem Spekulationen über mögliche Parteiwechsel. Einige AfD-Politiker behaupten, Gespräche mit CDU-Landtagsabgeordneten über einen Wechsel zur AfD zu führen. Namen wurden allerdings nicht genannt, Belege dafür gibt es ebenfalls nicht.
Fest steht bislang nur das Ende der bisherigen Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP. Ministerpräsident Sven Schulze und sein Kabinett führen die Amtsgeschäfte weiter, bis ein neuer Ministerpräsident gewählt ist.