Großdeutsche Fantasien

AfD-Mann träumt öffentlich vom Anschluss Österreichs

Ein AfD-Jungpolitiker sorgt mit einer umstrittenen Deutschland-Karte für Empörung. Auch Österreich ist darauf deutsch markiert. Nun tritt er zurück.
12.10.2026, 11:19
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Ein Posting zum Tag der Deutschen Einheit hat für den deutschen AfD-Nachwuchspolitiker Luca Maurice Strauf (21) ein Nachspiel. Der aus dem Saarland stammende Politiker, der sich lieber "Helmut" nennt, veröffentlichte am 3. Oktober auf X eine Karte, auf der auch Österreich, Luxemburg und Teile Frankreichs als deutsch gekennzeichnet waren.

Dazu bezeichnete Strauf die deutsche Wiedervereinigung von 1990 als bloßen "Etappen-Sieg" auf dem Weg zur Vereinigung des gesamten deutschen Volkes in einem Staat.

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Die Veröffentlichung sorgte besonders in Frankreich und Luxemburg für heftige Empörung. Nun hat Strauf sein Amt im Bundesvorstand der AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" niedergelegt.

Auch Österreich auf Karte eingezeichnet

Die von Strauf veröffentlichte Karte zeigte ein Gebiet, das weit über die heutigen Grenzen Deutschlands hinausgeht. Neben Österreich waren unter anderem Luxemburg, Elsass-Lothringen sowie Regionen in der Schweiz, Italien, Polen, Ungarn und weiteren europäischen Staaten farblich als deutsch hervorgehoben.

Brisant war vor allem der Begleittext des Jungpolitikers. Darin schrieb er: "Deutsche Einheit bedeutet ein Deutschland, das das gesamte deutsche Volk in einem Staat vereint." Die deutsche Wiedervereinigung bezeichnete er lediglich als "Etappen-Sieg auf dem Weg dorthin".

Frankreich und Luxemburg reagieren empört

Damit erweckte Strauf den Eindruck, die heutigen Staatsgrenzen Deutschlands infrage zu stellen. Besonders in Frankreich sorgte der Beitrag für wütende Reaktionen, auch aus dem Umfeld der rechten Partei Rassemblement National.

"Genau diese abscheulichen und unerträglichen Ideen sind der Grund, warum ich 'entsetzt' aus einem Gespräch mit Führungskräften der AFD herausgegangen war", kommentierte Jean-Philippe Tanguy, der Wirtschaftssprecher der Le-Pen-Partei.

Franck Leroy, Präsident der französischen Region Grand Est, warnte davor, solche Aussagen als harmlose Provokation abzutun. Die Karte lasse alte Herrschaftsvorstellungen wieder aufleben.

Auch in Luxemburg wurde der Vorfall zum Thema. Dort berichteten mehrere Medien über die umstrittene Darstellung des Großherzogtums als deutsches Gebiet.

AfD-Jugend distanziert sich – Rücktritt folgt

Die AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" distanzierte sich zunächst von Straufs Posting. "Patriotismus braucht keine historischen Landkarten-Fantasien", erklärte Pressesprecher Wendelin Fessl gegenüber der "taz".

Strauf selbst wies den Vorwurf zurück, eine Eingliederung fremder Staatsgebiete in Deutschland zu fordern. Er habe lediglich auf die gemeinsame Geschichte und das gemeinsame Schicksal Deutschlands und Österreichs hinweisen wollen.

Den Beitrag löschte er wieder. Nach der Kritik veröffentlichte der Politiker allerdings ein weiteres umstrittenes Posting, in dem er von einem "derart gebrochenen Volk" sprach, dem man erst wieder den aufrechten Gang lehren müsse.

Auch dieser Beitrag verschwand später. Schließlich löschte Strauf seinen gesamten X-Account.

Am Freitagabend gab die AfD-Jugend bekannt, dass der 21-Jährige sein Bundesvorstandsamt "aus persönlichen Gründen" niederlege. Der politische Skandal wurde in der Mitteilung nicht erwähnt. Ob Strauf auch sein Amt im bayerischen Landesvorstand der Organisation aufgibt, blieb zunächst offen.

Karte zeigte eigentlich deutsche Sprachgebiete

Ein wichtiges Detail: Bei der verbreiteten Darstellung handelte es sich laut Recherchen der "Saarbrücker Zeitung" nicht um eine Karte historischer deutscher Gebietsansprüche. Sie zeigte vielmehr die Verbreitung der deutschen Sprache und ihrer Dialekte.

Dass Österreich und andere Regionen farblich hervorgehoben waren, bedeutete demnach nicht, dass sie politisch zu Deutschland gehören sollten. Erst durch Straufs Begleittext erhielt die Darstellung ihre umstrittene politische Bedeutung.

Der AfD-Politiker war bereits zuvor mit Aussagen über historische deutsche Gebiete aufgefallen. Im August hatte er Zeilen aus der ersten Strophe des Deutschlandliedes veröffentlicht, die geografische Regionen weit über die heutigen deutschen Grenzen hinaus nennen.

red, 12.10.2026, 11:19