1,2 Milliarden betroffen

Weltweite Armut steigt erstmals seit 2010 wieder an

Erstmals seit 2010 steigt die Zahl der Menschen in akuter Armut laut UNO-Index. Weltweit sind 1,2 Milliarden betroffen, darunter 617 Millionen Kinder.
12.10.2026, 11:14
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Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Weltweit sind mittlerweile 1,2 Milliarden Menschen von akuter Armut betroffen. Das sind um 51,5 Millionen mehr als noch im Vorjahr. Damit ist die Zahl der Betroffenen laut dem aktuellen Bericht des UNO-Entwicklungsprogramms (UNDP) erstmals seit der Einführung des Armutsindex im Jahr 2010 gestiegen.

Besonders dramatisch: Mehr als die Hälfte der Menschen, die in akuter Armut leben, sind Kinder.

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Bevölkerungswachstum treibt Zahlen nach oben

"Hinter diesen Zahlen stehen 1,2 Milliarden Menschen, die mit sich gegenseitig verstärkenden Notlagen konfrontiert sind: Hunger, verpasste Schulbildung und Mangel an sauberem Wasser oder Strom", erklärte UNDP-Chef Alexander De Croo bei der Präsentation des Berichts.

Für ihn ist die Entwicklung ein deutlicher "Weckruf". Denn Armut bedeutet längst nicht nur, zu wenig Geld zu haben. Viele Betroffene müssen gleichzeitig ohne ausreichende Nahrung, sauberes Trinkwasser, Strom oder angemessenen Wohnraum auskommen. Ein Teil des Anstiegs ist laut UNO auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen.

Ab wann gilt man laut UNO als arm?

Wer arm ist, hat nicht automatisch nur zu wenig Geld. Die UNO untersucht insgesamt zehn Kriterien aus den Bereichen Gesundheit, Bildung und Lebensstandard. Dazu zählt etwa, ob Menschen genug zu essen haben, ihre Kinder zur Schule gehen können oder sie Zugang zu sauberem Trinkwasser, Strom und einer Toilette haben.

Entscheidend ist, wie viele dieser Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden. Wer bei mindestens einem Drittel der gewichteten Kriterien benachteiligt ist, gilt laut UNO als mehrdimensional arm. Wer bei mindestens der Hälfte der gewichteten Kriterien benachteiligt ist, gilt als schwer arm.

Armut nicht gleich Hunger

Eine fixe Einkommensgrenze gibt es bei diesem Index nicht. Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen die Menschen tatsächlich leben. Arm zu sein bedeutet auch nicht automatisch, dass sie alle hungern. Mangelernährung ist aber eines der 10 Kriterien für Armut.

So leben laut dem Bericht allein in Afrika südlich der Sahara 352 Millionen und in Südasien 278 Millionen arme Menschen in Haushalten, in denen mindestens eine Person mangelernährt ist. Das sind 630 Millionen Menschen.

Auch in Österreich ein Problem

Armut ist auch in Österreich weit verbreitet. Laut Statistik Austria waren 2025 rund 1,69 Millionen Menschen armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das entspricht beinahe jedem fünften Einwohner. Rund 261.000 Menschen waren sogar erheblich materiell und sozial benachteiligt. Sie können sich zahlreiche Dinge des täglichen Lebens nicht leisten.

Auch bei der Ernährung gibt es Probleme: Laut einer Untersuchung der Gesundheit Österreich GmbH waren 2023 rund 1,1 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen. Etwa 420.000 davon litten unter schwerer Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet, dass Betroffene aus Geldmangel teilweise sogar Mahlzeiten auslassen müssen.

Große Fortschritte in 33 Ländern

Der Bericht zeigt nämlich auch positive Entwicklungen. In 33 untersuchten Ländern hat sich der Anteil der Bevölkerung, der in mehrdimensionaler Armut lebt, innerhalb der vergangenen 15 Jahre mehr als halbiert.

Besonders deutliche Fortschritte wurden in Ägypten, Nepal und Tadschikistan erzielt. Dort gingen sowohl die Armutsquote als auch die absolute Zahl der Betroffenen zurück.

Diese Regionen sind besonders betroffen

Besonders betroffen sind weiterhin die Länder Afrikas südlich der Sahara und Südasiens. Allein in Afrika südlich der Sahara leben laut UNO rund 616 Millionen Menschen in akuter Armut.

Weltweit sind 617 Millionen der 1,2 Milliarden Betroffenen Kinder. Das entspricht mehr als der Hälfte aller Menschen in akuter Armut.

NW, 12.10.2026, 11:14
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