Die Teuerung der vergangenen Jahre steckt vielen Menschen in Niederösterreich noch immer tief in den Knochen. Laut neuen Zahlen gelten im Drei-Jahres-Durchschnitt 11,2 Prozent der Niederösterreicher als armutsgefährdet. Das sind 191.000 Menschen.
Noch dramatischer: 67.000 Menschen in NÖ gelten als erheblich materiell und sozial benachteiligt. Das entspricht rund vier Prozent der Haushalte, die wirklich vom Nötigsten leben müssen.
"Die vergangenen Jahre haben viele Menschen finanziell stark unter Druck gesetzt – und diese Belastung hält an", sagt Caritas-Armutsexpertin Tamara Majnek. In der täglichen Arbeit zeige sich, wie sehr vor allem Mieten, Energie und der tägliche Grundbedarf die Menschen belasten.
Besonders bitter: Bereits jeder fünfte Niederösterreicher gibt an, sich keine unerwarteten Ausgaben leisten zu können. Eine kaputte Waschmaschine, eine höhere Nachzahlung oder eine dringende Reparatur können damit schnell zum existenzgefährdenden Problem werden.
Auch Kinder und junge Menschen sind stark betroffen: Rund 15 Prozent aller Kinder, Jugendlichen und abhängigen jungen Erwachsenen bis 24 Jahre gelten in Niederösterreich als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.
Ein Hauptproblem bleibt das Wohnen. 35 Prozent der Niederösterreicher empfinden ihre Wohnkosten jetzt schon als starke Belastung. Rund 57.000 Menschen geben sogar an, ihre Wohnung nicht warm halten zu können.
Etwas Entlastung bringt die Verlängerung des Wohnschirms bis 2029, seit 2023 hilft er auch bei Zahlungsrückständen bei den Energiekosten. In Niederösterreich konnten dadurch laut Caritas bereits mehr als 3.500 Personen unterstützt werden.
Parallel dazu wird über eine Reform der Sozialhilfe diskutiert. Caritas-Generalsekretär Christoph Riedl: "Dabei dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass die Sozialhilfe das letzte tragfähige Netz und die Absicherung für kranke, behinderte und langzeitarbeitslose Menschen, viele Familien und Alleinerziehende mit Kindern ist – immerhin sind mehr als ein Drittel der Bezieher*innen unter 18 Jahren. Für uns als Caritas ist klar: Es darf dabei kein Wettbewerb nach unten stattfinden."