Eine Packung mit kleinem Schönheitsfehler, Lebensmittel mit kurzer Resthaltbarkeit, überschüssige Ware: Was im Handel nicht mehr verkauft wird, kann noch völlig in Ordnung sein. Statt im Müll landen solche Produkte in den Rotkreuz-Märkten. Dort werden sie kontrolliert, sortiert und zu stark vergünstigten Preisen angeboten.
Wie das funktioniert, zeigt das OÖ. Rote Kreuz am Dienstag, dem Tag gegen Lebensmittelverschwendung, bei Lokalaugenscheinen in Steyr, Marchtrenk und Ottensheim. Hinter den Regalen steckt einiges an Arbeit: Freiwillige holen die Waren ab, prüfen und sortieren sie, räumen sie ein und betreuen die Kundinnen und Kunden.
Eine von ihnen ist Roswitha – sie hilft im Rotkreuz-Markt in Ottensheim (Bez. Urfahr-Umgebung). Warum sie sich dafür Zeit nimmt? "Weil ich gerne für die Leute da bin, weil ich gerne mit Leuten arbeite und weil ich der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte." Lachend fügt sie hinzu: "Und wir sind hier im Rotkreuz-Team ein tolles Team."
Auch Bezirkskoordinator Stefan Zierlinger betont, wie wichtig der Markt für die Region ist: Seit seiner Eröffnung im Oktober 2015 bietet er Menschen in schwierigen Lebenssituationen die Möglichkeit, selbstbestimmt einzukaufen. "Rotkreuz-Märkte sind keine Selbstverständlichkeit. Sie brauchen freiwilliges Engagement, regionale Partner und die Struktur einer Organisation."
Für Menschen mit geringem Einkommen sind die Märkte eine Möglichkeit, Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs günstiger zu kaufen. Im vergangenen Jahr zählte das Rote Kreuz oberösterreichweit 74.514 Einkäufe.
"Wenn einwandfreie Lebensmittel weggeworfen werden, gehen wertvolle Ressourcen verloren. In unseren Rotkreuz-Märkten verbinden wir Lebensmittelrettung mit konkreter Hilfe für Menschen, die mit wenig Einkommen auskommen müssen", sagt OÖ. Rotkreuz-Präsident Gottfried Hirz.
Dass die geretteten Waren überhaupt in den Regalen landen, ist auch den vielen Freiwilligen zu verdanken: Sie leisteten in den 23 Märkten im Vorjahr insgesamt 109.425 Stunden. So bekommen Lebensmittel eine zweite Chance – und Menschen, bei denen das Geld knapp ist, beim Einkauf ein wenig mehr Luft.