Seit Anfang des Jahres erhalten subsidiär Schutzberechtigte in Wien keine Sozialhilfe mehr, sondern nur noch Grundversorgung (statt 1.230 Euro pro Monat nur mehr 437,50 Euro für Einzelpersonen). Während die Zahl der Arbeitslosen deutlich sinkt, warnen Caritas, Volkshilfe und Diakonie vor den sozialen Folgen der Maßnahme.
Die Zahl der arbeitslos gemeldeten oder in Schulungen befindlichen subsidiär Schutzberechtigten ist laut Arbeitsmarktservice (AMS) innerhalb eines Jahres deutlich zurückgegangen. Waren es im Mai 2025 noch 8.590 Personen, waren es im heurigen Mai nur mehr 5.486. Das entspricht einem Minus von 36 Prozent – "Heute" berichtete.
Für Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) ist das ein Beleg dafür, dass die Abschaffung der Mindestsicherung für diese Personengruppe Wirkung zeigt. Bei Caritas, Volkshilfe und Diakonie wird die Entwicklung jedoch kritisch bewertet. Zwar würden viele Betroffene mittlerweile Arbeit aufnehmen, die Beschäftigungen seien aber oft schlecht bezahlt und böten keine langfristige Perspektive.
Laut Daniel Zipfel, Leiter der Rechtsberatung der Caritas, hätten manche Menschen sogar Ausbildungen abgebrochen, um möglichst rasch Geld zu verdienen. "Was dann wiederum keine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt ist", sagte Zipfel im ORF-Interview.
Gleichzeitig gebe es viele subsidiär Schutzberechtigte, die dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung stehen. Dazu zählen laut Caritas etwa ältere Menschen sowie Personen mit Erkrankungen oder Behinderungen.
"Es braucht hier einerseits Maßnahmen, um Menschen nachhaltig in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. Es braucht Maßnahmen zur Qualifikationsförderung, zur Förderung von Potenzialen. Und es braucht auch Maßnahmen zur Wohnungssicherung", forderte Zipfel.
Die Hilfsorganisation berichtet zudem von zunehmender Wohnungsnot. Niedrige Einkommen würden oft nicht ausreichen, um die Miete zu bezahlen. Die Folgen seien Mietrückstände, Verschuldung und überbelegte Wohnungen.
Kritik gibt es auch an der geplanten Regelung, wonach Menschen in der Grundversorgung weiterhin keine Familienbeihilfe erhalten sollen. "Hier sehen wir die Gefahr von Kinderarmut", warnte Zipfel. Aus Sicht der Caritas benötigen vor allem besonders vulnerable Menschen weiterhin ausreichende Unterstützung.
"Im besten Fall gehen wir zurück zur Mindestsicherung, aber auf jeden Fall braucht es ausreichende Maßnahmen, um vulnerable Personen zu schützen und um eine nachhaltige Armutsbekämpfung zu gewährleisten", so Zipfel.