Weniger Arbeitslose

Mindestsicherung weg, dann gingen Flüchtlinge arbeiten

Wien strich subsidiär Schutzberechtigten die Mindestsicherung. AMS-Zahlen zeigen: Die Zahl der Arbeitslosen in dieser Gruppe ist deutlich gesunken.
Wien Heute
12.06.2026, 15:18
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Mit Jahresbeginn hat Wien subsidiär Schutzberechtigten die Mindestsicherung gestrichen. Betroffene sind seither wie in allen anderen Bundesländern auf die Grundversorgung angewiesen.

Für Einzelpersonen bedeutet das: Statt zumindest 1.230 Euro im Monat bleiben 437,50 Euro. Alternativ ist ein Platz in einem staatlich finanzierten Quartier möglich – dort gibt es Kost und Logis sowie 62,50 Euro zusätzlich im Monat.

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Ein Drittel weniger arbeitslose Schutzberechtigte

Neue Zahlen des Arbeitsmarktservice Wien zeigen nun einen deutlichen Effekt. Waren im Mai des Vorjahres noch 8.590 Schutzberechtigte arbeitslos gemeldet oder in einer Schulung, waren es im heurigen Mai 5.486 Personen, berichtet der "Standard".

Das entspricht einem Minus von 36,1 Prozent. Über alle Gruppen hinweg blieb die Zahl der Jobsuchenden hingegen stabil. Auch bei den Asylberechtigten, die weiterhin Anspruch auf Mindestsicherung haben, sanken die Zahlen – allerdings nur um 9,6 Prozent.

5.000 Menschen in der Wiener Grundversorgung

Bis Ende Mai haben heuer bereits 2.192 beim AMS registrierte Schutzberechtigte eine Arbeit angenommen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 1.609. Auch die Zahl der von der Stadt versorgten Personen ging zurück. Im Dezember 2025 lebten noch knapp 7.100 erwachsene Schutzberechtigte von der Mindestsicherung. In der Grundversorgung sind laut Fonds Soziales Wien aktuell rund 5.000 Menschen.

AMS-Chef Johannes Kopf warnt aber davor, die Entwicklung ausschließlich mit neuen Jobs zu erklären. Ein Teil der Betroffenen dürfte aus dem Pool der Arbeitskräfte herausgefallen sein – etwa durch Übersiedlung in ein anderes Land oder Rückkehr in die Heimat.

"Positiver Effekt sicher noch nicht zu Ende"

Zudem würden nun weniger Schutzberechtigte aus anderen Bundesländern nach Wien ziehen, weil keine höheren Leistungen mehr winken – das senke die Wiener Zahlen ebenso. Unter dem Strich dürften laut Kopf etwa 1.000 bis 1.500 Betroffene aufgrund der gestrichenen Sozialhilfe einen Job angenommen haben. Dieser "positive Effekt" sei nicht kleinzureden – und mit der aktuellen Momentaufnahme "sicher noch nicht zu Ende", meint er zum "Standard".

Für Kopf zeigen die Zahlen, dass finanzielle Anreize eine Rolle spielen. "Wenn der Staat das Arbeitslosengeld halbiert, wird die Arbeitslosigkeit sinken." Wer die möglichst rasche Aufnahme einer Beschäftigung als Schlüssel zur Integration sehe, könne sich durch die Bilanz bestätigt fühlen.

Warnung vor Schattenseiten

Gleichzeitig warnt der AMS-Chef vor negativen Folgen. Junge Geflüchtete sollten besser eine Lehre oder Ausbildung absolvieren, statt etwa sofort Essen auszuliefern. Auch Erwachsene mit Berufserfahrung aus dem Herkunftsland sollten die Chance bekommen, nötige Berechtigungen für den heimischen Arbeitsmarkt nachzuholen. Sonst werde Potenzial künftiger Facharbeiter verschleudert. Kürzungen könnten zudem die Armut jener erhöhen, die sich nicht selbst helfen können – besonders bei Kindern.

Kopf begrüßt, dass Schutzberechtigte nun in allen Bundesländern gleich behandelt werden. Gleichzeitig hält er die aktuelle Höhe der Leistung für zu niedrig: "Diese sollte über der Grundversorgung liegen."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 12.06.2026, 15:19, 12.06.2026, 15:18
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