Gesundheit

Affenpocken auf dem Penis – ein Betroffener berichtet

Auf Twitter berichtet Alexander Winter über seinen Krankheitsverlauf und warum er nicht an eine Affenpocken-Infektion dachte. 

Sabine Primes
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Eine Analyse im Labor.
Eine Analyse im Labor.
REUTERS (Symbol)

Die Affenpocken-Fälle in Österreich nehmen weiter zu. Am Freitag meldete das Gesundheitsministerium sieben weitere Fälle. Übertragungen von Mensch zu Mensch finden über direkten Kontakt zu Infizierten statt. Das Virus kann zu hohem Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollenen Drüsen, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit führen, bevor etwa ein bis fünf Tage nach Auftreten der ersten Symptome ein Ausschlag auftritt. Der Ausschlag, der manchmal mit Windpocken verwechselt wird, zeigt sich zunächst als erhabene Flecken, bevor er sich in kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Blasen verwandelt. In der Flüssigkeit dieser Pusteln und den sich anschließend bildenden Krusten befindet sich extrem viel Virus. Die Patienten sind in der Regel nicht mehr infektiös, sobald diese Krusten abgefallen und die Pusteln abgeheilt sind.

Unter Affenpocken-Erkrankten gibt es noch immer eine große Verunsicherung, manche berichten von einer Stigmatisierung von Homosexuellen. Experten hatten vor einer Weiterverbreitung des Virus, etwa bei bevorstehenden Festivals und Partys, gewarnt. Mehr dazu: Schwule sollen sich gegen Affenpocken impfen lassen

Alexander Winter berichtet auf Twitter, dass er mit Stand 14.6.2022 einer von 142 bestätigten Fällen in Berlin war. Detailliert schildert der infizierte Deutsche seinen Verlauf und dass sich die Symptome anfangs anders darstellten als von offizieller Seite berichtet.

Die ersten Symptome

Untypischer Husten – lästig aber nicht wirklich schlimm – hätte ihn am Dienstag als erstes geplagt, schreibt Winter in seinem Tweet. Sein erster Gedanke war eine mögliche Covid-Infektion. Als die Tests aber negativ ausfallen, denkt der junge Mann nicht weiter darüber nach. Zwei Tage später, am Donnerstag, hatte sich der Husten jedoch intensiviert. Richtig bellend und "so heftig, dass ich zum Teil keine Luft bekommen habe", so Winter. Auch da sind jegliche Covid-Tests negativ. 

Ab Freitag fühlt sich Winter grippekrank: Schlapp, Gliederschmerzen und Kopfweh treten auf. Als es ihn an einer besonders intimen Stelle juckt, entdeckt er die erste Pocke – auf der Rückseite seines Penis. "Sie hatte einen schmalen, weißen Rand & nässte." Als er sich näher untersucht findet er eine weitaus größere, lochartige Läsion direkt unter seiner Vorhaut. "Kreisrund, tief, nässend, mit einem weißen, dicken Wundrand. Es sah aus, als hätte mir jemand mit einer kleinen Schrotkugel direkt in den Schwanz geschossen", schildert der Betroffene. "Mein ganzer Schwanz wirkte leicht geschwollen, rötlich, entzündet." Verwirrt sucht der Mann Rat im Internet – jedoch erfolglos. Er cremt die Läsion ein und versucht sich keine Sorgen zu machen. "Falls (...) ich mir eine Geschlechtskrankheit zugezogen haben sollte, hätte ich die richtigen medizinischen Ansprechpersonen", denkt er sich.

Stunden später kommt Schüttelfrost zu seinen Symptomen hinzu. "Das Fieber kam abrupt & wie aus dem Nichts & stieg schnell auf +39,5° C. Dazu: heftige Kopfschmerzen". Das Fieber kommt und geht und steigt meistens bis 40°C, dann fällt es wieder komplett ab. Bis er weitere Pocken an derselben Stelle entdeckt, vergehen noch Stunden.

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    Affenpocken sind ein Pockenvirus, das 1958 bei Cynomolgus-Affen und 1970 beim Menschen nachgewiesen wurde. Das Virus besteht aus einem DNA-Kern in einer Proteinhülle, das von einer Hülle umgeben ist. Affenpocken sind zoonotisch, d.h. sie werden von Tieren (z. B. Nagetieren) auf den Menschen übertragen und umgekehrt. Infektionen beim Menschen werden häufig durch Tierbisse oder durch direkten Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten verursacht. (im Bild: Partikel des Affenpockenvirus)
    Affenpocken sind ein Pockenvirus, das 1958 bei Cynomolgus-Affen und 1970 beim Menschen nachgewiesen wurde. Das Virus besteht aus einem DNA-Kern in einer Proteinhülle, das von einer Hülle umgeben ist. Affenpocken sind zoonotisch, d.h. sie werden von Tieren (z. B. Nagetieren) auf den Menschen übertragen und umgekehrt. Infektionen beim Menschen werden häufig durch Tierbisse oder durch direkten Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten verursacht. (im Bild: Partikel des Affenpockenvirus)
    Science Photo Library / picturedesk.com

    Komplett andere Symptome als beschrieben

    Bis zu seiner Diagnose – eine Woche später – ist Winter felsenfest überzeugt, dass es sich bei den juckenden Stellen um Pickel oder Stiche handelt. Schlimmstenfalls sei es Syphilis, denkt er. Denn seine Läsionen unterscheiden sich in Form und Struktur massiv von den Bildern, die er aus dem Internet kennte. Er resümiert: "Als Nicht-Mediziner" kann ich sagen: Ohne einen Arzt wäre es mir UNMÖGLICH gewesen, diese Pusteln den Affenpocken zuzuschreiben." 

    Nach seiner Diagnose wird er sofort in Isolation geschickt, die noch bis 21. Juni andauert. Mittlerweile ginge es ihm schon viel besser, schreibt er: "Das Fieber ist weg, die Kopfschmerzen auch. Die Pocken entwickeln sich mittlerweile zurück & auch der Juckreiz hat seit ein paar Tagen nachgelassen. Ich fühle mich noch immer schwach, manchmal, & sehr, sehr müde."

    Keine sexuell übertragbare Krankheit

    Alexander appelliert, dass seine Erkrankung nichts mit seiner sexuellen Orientierung zu tun hat. Er sei zwar homosexuell, aber "Die Details meines Sexlebens gehen niemanden was an". "Noch immer ist sehr vieles unklar, wenn es um die Ansteckung der Affenpocken geht. Klar ist: Direkter Körperkontakt zählt zu den höchsten Ansteckungsmöglichkeiten. Aber sie ist definitiv nicht die einzige. Dies ist auch der Hauptgrund, weshalb ich meinen Fall publik machen wollte. Diese Krankheit ist keine sexuell übertragbare Krankheit; sie wird durch Berührungen (!) übertragen. & ja, auch eine Übertragung durch eine sogenannte "Schmierinfektion" ist möglich."

    Seine persönliche Empfehlung: "Wer eine Person in unmittelbarer oder sogar direkter Nähe hat, die an Affenpocken erkrankt ist: Bitte fragt eure Hausärzte, wann sie frühestens den Pockenimpfstoff bekommen & lasst euch unbedingt vormerken."